Vielfalt in Ingenieursberufen

June 16, 2022. 4 mins read
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In einem exklusiven Interview fürAUTOMATEDsprach Jonathan Wilkins mit Benita Mehra, Vorsitzende der Women in Engineering Society (WES), einer Wohltätigkeitsorganisation, die mit Pädagogen, Arbeitgebern und Meinungsbildnern an Geschlechtergerechtigkeit arbeitet und dafür Sorge tragen möchte, dass technische Unternehmen heute über die nötigen Arbeitskräfte verfügen.

Vielfalt in Ingenieursberufen

AUTOMATED: Verraten Sie uns bitte etwas mehr zur Women in Engineering Society und ihren Zielen?

Mehra: Im Jahr 1919 wurde aus dem National Council of Women ein kleines Komitee zusammengestellt, das Frauen in Arbeit bringen und Männer bei ihren Kriegsverpflichtungen entlasten sollte. Diese einflussreichen Frauen erhielten Unterstützung von der Regierung und befähigten Frauen, ihre Kompetenzen zu erweitern und Stellen in Munitionswerken und anderen technischen Anlagen anzunehmen.

Die Gesellschaft verfolgt drei Ziele: Frauen dabei unterstützen, ihr Potenzial auszuschöpfen, das Unterrichten und Anwenden technischer Fächer zu fördern und mit Unternehmen zusammenzuarbeiten, um am Arbeitsplatz ein angemessenes Geschlechterverhältnis beizubehalten.

AUTOMATED: Wie arbeiten Sie mit Unternehmen und Frauen zusammen, um diese Ziele zu erreichen?

Mehra: Wir organisieren Veranstaltungen im ganzen Land, um Ingenieurinnen zu fördern und ihre Kompetenzen zu erweitern. Zu diesen Veranstaltungen gehört eine zweitägige Studentinnenkonferenz, an der bis zu 130 Studentinnen teilnehmen, die naturwissenschaftliche, mathematische oder technische Studiengänge absolvieren oder in einem solchen Fach promovieren.

AUTOMATED: Wie wird sich Automation Ihrer Meinung nach auf die tägliche Arbeit derzeitiger Ingenieure auswirken?

Mehra: Hersteller im Vereinigten Königreich nutzen Automation seit geraumer Zeit zur Optimierung von Produktion und Logistik. In Zukunft werden fahrerlose Autos und ein vermehrter Einsatz von Robotik in der Medizin und zur Unterstützung der alternden Bevölkerung eingesetzt werden.

Auch am Arbeitsplatz kann Automation vermehrt eine Rolle spielen, wobei menschliche Arbeitskräfte nach wie vor gebraucht werden, da es in der Fertigungsindustrie und im Maschinenbau nach wie vor an Arbeitskräften mangelt. Wir müssen also unsere Kompetenzen nutzen, um die einfachen Tätigkeiten mit Robotern zu automatisieren und, wo möglich, kreative Stellen für uns alle zu schaffen.

AUTOMATED: Was sind die Vorteile eines ausgeglichenen Geschlechterverhältnisses am Arbeitsplatz?

Mehra: Wir möchten, dass der Techniksektor die Vielfalt der Gesellschaft widerspiegelt, und Kreativität in jedem Sektor fördern. Eine vielfältige Belegschaft wirkt sich darüber hinaus vorteilhafter auf das Unternehmen aus.

Einem Bericht von McKinsey zufolge könnte ein ausgeglicheneres Geschlechterverhältnis das weltweite BIP bis 2025 um 12 Billionen Pfund erhöhen. In seinem Bericht Diversity Matters hat McKinsey außerdem herausgefunden, dass die Wahrscheinlichkeit von Unternehmen mit hoher Geschlechtervielfalt, Finanzergebnisse zu erzielen, die im Branchendurchschnitt liegen, um 15 Prozent höher ist.

Unternehmen müssen etwas gegen den Fachkräftemangel tun. Und das tun sie am besten durch die Förderung einer geschlechtlich und ethnisch vielfältigen Belegschaft.

AUTOMATED: Wie schlägt sich das Vereinigte Königreich bei der Rekrutierung von Ingenieurinnen im Vergleich zum Rest der Welt?

Mehra: Leider fällt das Vereinigte Königreich hinter vielen europäischen und asiatischen Ländern zurück. In Indien sind 30 Prozent der Ingenieure weiblich; in China sind es 44 Prozent. In Großbritannien sind bis zu zwölf Prozent der Ingenieure weiblich.

Wenn wir uns Länder ansehen, bei denen das Verhältnis ausgeglichener ist, stellt man fest, dass das Thema Bildung dabei eine entscheidende Rolle spielt. In Osteuropa und in Entwicklungsländern haben mathematische und naturwissenschaftliche Fächer vor geisteswissenschaftlichen Fächern Vorrang, um Kindern die besten Chancen auf einen gut bezahlten Beruf zu ermöglichen.

AUTOMATED: Was können Unternehmen Ihrer Meinung nach tun, um junge Menschen für Technik zu begeistern?

Mehra: Unternehmen tun viel, um mehr Menschen für technische Berufe zu begeistern. Sie veranstalten Tage der offenen Tür, besuchen Schulen und unterstützen Lehrer bei der schulischen Bildung. Als Land können wir jedoch nach wie vor mehr tun, um Kinder zur Wahl von MINT-Fächern zu bringen.

Kinder werden am meisten von Gleichaltrigen und ihren Eltern beeinflusst. Daher sollten Eltern mit gutem Beispiel vorangehen und ihre Kinder dazu ermutigen, wissenschaftliche Aktivitäten zu unternehmen. Dabei kann es sich um technische Ausstellungen, Museen oder um Fernsehsendungen über Tim Peakes Raumfahrtmission handeln. Es gibt im Alltag und online viel Material, das zum späteren Ergreifen technischer Berufe führen kann.

AUTOMATED: Zum Schluss noch eine allgemeinere Frage: Wer ist Ihr Technik-Held?

Mehra: Da gibt es einige, und die sind zufälligerweise alle Männer. Der erste ist Bill Gates. Als Menschenfreund engagiert er sich heute mit seinem immensen Reichtum für gesellschaftliche Themen, vor allem Alzheimer. Da die Lebenserwartung stetig zunimmt, müssen wir dafür sorgen, dass die Lebensqualität auch im Alter hoch bleibt. Der zweite ist will.i.am. Er übernimmt eine Vorreiterrolle dabei, MINT-Fächer im Rahmen seiner i.am angel foundation zu fördern und junge Menschen dazu zu bringen, ihren Träumen zu folgen.

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