Hat die Fertigung Heimweh?

Hat die Fertigung Heimweh?

Der Beginn des Jahres 2020 offenbarte die Schmerzpunkte der globalen Lieferketten. Die Probleme, die sich aus der mangelnden Transparenz über verschiedene Knotenpunkte hinweg und der übermäßigen Abhängigkeit von einer einzigen Region ergaben, wurden deutlich, als der Vorrat an unternehmenskritischen Gütern zu schwinden begann. Wie können die Hersteller vor diesem Hintergrund ihre Lieferketten umstrukturieren?

Die Fertigung vermisst die Heimat. Mehrere aktuelle Studien, die die langfristigen Auswirkungen von COVID-19 auf die Lieferketten in der Fertigung untersuchen, bestätigen, dass eine Verlagerung zur lokalen Beschaffung und die Bereitschaft zur Rückverlagerung der Produktion die Agenda vieler britischer und US-amerikanischer Hersteller dominiert.

Die US-Publikation Supply Digital Chain kam zu dem Ergebnis, dass von 878 Fachleuten aus dem Fertigungs- und Industriesektor 64 Prozent bereit waren, Produktion und Beschaffung zurück nach Nordamerika zu verlegen. Die Bewegung, die Nationen dazu ermutigt, Offshore-Aktivitäten näher an die Heimat zu bringen, ist jedoch nicht neu. Die Reshoring Initiative, eine Non-Profit-Organisation, gab vor der Pandemie bekannt, dass zwischen Januar 2010 und Juli 2016 mehr als 265.000 neue Arbeitsplätze im verarbeitenden Gewerbe in den USA aufgrund von Reshoring-Strategien der Unternehmen geschaffen wurden.

Im Vereinigten Königreich herrscht eine ähnliche Situation. Die Handelsorganisation Make UK fand heraus, dass 46  Prozent der britischen Unternehmen planen, zumindest einen Teil ihrer Aktivitäten in den nächsten zwei Jahren wieder zurück ins Inland zu verlagern. Der Bericht der Lloyds Bank aus dem Jahr 2019 Business in Britain: Manufacturing, der im Auftrag von Reshoring UK verfasst wurde, bestätigt, dass der Eifer der Industrie bezüglich der Rückverlagerung der Produktion ins Inland nicht nur eine Folge der Pandemie ist, sondern die Verschärfung von Prozessen, die schon lange im Gange waren.

Der Bericht, der vor dem COVID-19-Ausbruch fertiggestellt wurde, hob mehrere Gründe für diesen Ansatz hervor. 71 Prozent derjenigen, die eine Rückverlagerung planten, erhofften sich eine Verbesserung der Produktqualität, und 41 Prozent versuchten, die Lieferkette zu verkürzen.

Offenbar hat COVID-19 einfach ein Phänomen beschleunigt, das vor mehr als einem Jahrzehnt begann, als die steigenden Kosten für Arbeitskräfte und Immobilien an beliebten Offshoring-Standorten die Hersteller dazu veranlassten, die Kosteneffizienz ihrer bisherigen Politik zu überdenken.

Auf dem Heimweg

Die Rückverlagerung von Fertigungsprozessen ist zeitaufwändig und aus finanzieller und bürokratischer Sicht äußerst komplex. Anstatt riesige Restoring-Initiativen zu starten, entscheiden sich die Hersteller daher für allmähliche Schritte, um ihre Betriebe näher an die Heimat zu bringen.

Die Diversifizierung der Lieferketten ist ein erster Schritt in die richtige Richtung. Indem sie die übermäßige Abhängigkeit von einer einzigen Quelle beseitigen, können Hersteller einen gefährlichen Dominoeffekt vermeiden, falls eine Störung an einem verwundbaren Knotenpunkt ihrer erweiterten Lieferkette auftritt.

So verfügt EU Automation über Lagerhäuser an vier strategischen Standorten – im Vereinigten Königreich, in den USA, in Deutschland und in Singapur – sowie über ein dichtes Netz von globalen Lieferanten und Distributoren. Dies stellt sicher, dass wir in der Lage sind, die von unseren Kunden benötigten Teile so schnell wie möglich zu beschaffen und zu versenden, um Ausfallzeiten zu vermeiden bzw. zu minimieren.

Neben der Diversifizierung Ihrer Lieferkette ist es eine gute Idee, sowohl regionale als auch lokale Unternehmen in Ihre Liste der bewährten Zulieferer aufzunehmen. Die lokale Beschaffung kann das Risiko von Unterbrechungen in der Lieferkette, die sich auf Ihr Unternehmen auswirken, reduzieren und hilft, die Kosten für die Logistik zu senken.

Außerdem können lokale Zulieferer schneller auf Ihre Anfragen reagieren als Zulieferer am anderen Ende der Welt, da die Koordination von Sendungen in den Nachbarregionen viel einfacher ist als bei einem entfernten Standort. Das heißt, wenn die Nachfrage plötzlich ansteigt, haben Sie mit der lokalen Beschaffung die besten Chancen, diese zu bewältigen.

Hilfreiche Technologie

Die Diversifizierung Ihrer Lieferkette und das Einbeziehen lokaler Zulieferer reicht möglicherweise nicht aus. Das Schlüsselwort für echte Resilienz in der Lieferkette ist Transparenz. Nur wenige Hersteller wissen, was auf jeder Ebene der Lieferkette passiert, aber ein umfassenderes Bild Ihrer Lieferkette kann dazu beitragen, Risiken zu reduzieren.

Es gibt viele Plattformen auf dem Markt, um End-to-End-Transparenz zu erreichen und den Überblick über die Sendungen zu behalten. Fortschrittlichere Lösungen liefern umfangreiche Daten nicht nur über den Standort Ihrer Sendungen, sondern auch über den Zustand, wie Temperatur, Luftfeuchtigkeit und vieles mehr. Dies kann für Hersteller in der Lebensmittel- und Getränkeindustrie oder im pharmazeutischen Bereich essentiell sein, da sie die Verantwortung haben, die Qualität ihrer Rohstoffe über die gesamte Lieferkette hinweg zu gewährleisten.

Für Hersteller, die einen Schritt weiter gehen und einen Teil ihrer Produktion unternehmensintern verlagern wollen, anstatt Komponenten von Offshore-Standorten zu beziehen, ist Cloud-basiertes Enterprise Resource Planning (ERP) in der Regel die Antwort.

Im Gegensatz zu On-Site-Lösungen vermeiden Cloud-ERPs die Kosten und den Aufwand für die Installation und Verwaltung von Hardware. Darüber hinaus ermöglicht die Cloud den ortsunabhängigen Zugriff der Mitarbeiter – es genügt ein Klick auf einen Link. Ein weiterer Vorteil von Cloud-basierten Lösungen ist, dass Upgrades und Fixes automatisch installiert werden, sobald sie verfügbar sind.

Eine weitere Möglichkeit, die eigenen Produktionskapazitäten zu erhöhen, ist die Implementierung von Anlagen zur additiven Fertigung (AM). AM ermöglicht es Fabriken, eine Vielzahl von Komponenten vor Ort zu produzieren, wo die Fertigung zuvor ausgelagert war.

Die Kosten, die Qualität und die Komplexität von AM sind immer noch eine Herausforderung, besonders für kleine bis mittlere Hersteller. Dennoch hat die Vielseitigkeit dieser Produktionsmethode dazu geführt, dass sie besonders während der Pandemie beliebt war, als AM es den Herstellern ermöglichte, schnell Notvorräte wie Teststäbchen, Beatmungsventile und vieles mehr zu produzieren.

Mit einer Vielzahl von Optionen und Technologien sieht die Zukunft für unsere heimwehgeplagte Fertigung rosig aus. Mit einer vielfältigen und widerstandsfähigen Lieferkette sowie gesteigerten unternehmensinternen Fähigkeiten werden Hersteller in der Lage sein, auf einen zunehmend unberechenbaren Markt zu reagieren und einen größeren, anspruchsvolleren Kundenstamm zu befriedigen.

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