Altausrüstung nachrüsten
Nachdem ihre Mutter all ihre kommunikationsfähigen Geräte konfisziert hatte, nutzte ein Teenie angeblich ihren Kühlschrank, um einen Tweet zu posten, und die Geschichte ging viral. Der Grund für den Unterhaltungswert dieser Geschichte liegt darin, dass wir Kühlschränke üblicherweise nicht mit Kommunikation in Verbindung bringen. Dasselbe gilt für Altausrüstung.
Im Design von Altausrüstung waren Kommunikationsfähigkeiten nicht vorgesehen, doch durch das Nachrüsten mit intelligenten Technologien kann man ihr zu neuem Leben verhelfen — selbst, wenn sie schon 20 Jahre alt ist. Durch Nachrüsten vermeidet man den Austausch eines kompletten Systems, indem man stattdessen bestehende, bereits installierte Ausrüstung mit den erforderlichen Fähigkeiten ausstattet.
Probleme mit Altausrüstung
Funktionierende Altausrüstung wie beispielsweise Laufwerke, Sensoren und SPS sind häufig zentrale Bestandteile, quasi das Rückgrat, von Produktionsanlagen. Aufgrund des stetigen technologischen Fortschritts müssen diese Maschinen möglicherweise mit neueren Geräten integriert werden, die bereits mit Fähigkeiten zur Datensammlung und Kommunikation ausgestattet sind. Das kann in Bezug auf Konnektivität und Interoperabilität für Hersteller zu Problemen führen.
Obwohl die Lebensdauer älterer Modelle noch nicht abgelaufen ist, werden laufend neue Maschinen produziert und sättigen immer schneller den Markt. Der technologische Fortschritt ist zwar nicht aufzuhalten, doch wir wollen nicht, dass Altausrüstung einfach aufgegeben wird — denn der Austausch grundlegender Elemente von Produktionsanlagen wäre teuer und würde viel Zeit in Anspruch nehmen. Allerdings wollen Hersteller trotzdem in der Lage sein, Daten zu ihren Prozessen und zu ihrer Ausrüstung zu sammeln, die wertvolle Erkenntnisse liefern können. Was können wir also tun – abgesehen vom Entfernen und Ersetzen ganzer Systeme durch neuere Modelle?
Eine Lösung finden
Entwicklungsingenieure sollten sich das Ziel setzen, einen strategischen Plan der aktuellen digitalen Fähigkeiten der Anlage zu erstellen und sich dabei auf Ziele, Vorgaben und die Priorisierung von Maßnahmen konzentrieren, die den Geschäftswert effektiv steigern. Manche Maschinen werden wohl durch neue Technologien ersetzt werden müssen, doch die Nachrüstung nutzbarer Altausrüstung mit intelligenter Technologie kann wesentlich kosteneffizienter sein, als die gesamte Produktionslinie auszutauschen, und verlängert darüber hinaus die Lebensdauer der Ausrüstung.
Der ultimative Traum zahlreicher Hersteller ist die vollständige vertikale und horizontale Digitalisierung ihres gesamten Unternehmens sowie dessen Zulieferer und Vertriebspartner. Glücklicherweise müssen Hersteller, die auf dieses Ziel hinarbeiten, nicht in Unmengen an neuer Ausrüstung investieren. Ein möglicher Schritt zum Aufrüsten von Systemen ist die Verbesserung der Interaktion zwischen Mensch und Maschine durch die Nachrüstung mit einer Mensch-Maschine-Schnittstelle (MMS) mit einer einfacher zu bedienenden grafischen Oberfläche wie beispielsweise einem Touchscreen oder mit anderen, zusätzlichen Fähigkeiten. Die Integration einer MMS in ein System kann zum Beispiel einfach durch den Anschluss eines RS-232-zu-RS-485-USB-Schnittstellenkonverters zwischen MMS und SPS erfolgen. Wenn die fraglichen Geräte über Drahtlos-Funktionen verfügen, ist das Ganze noch einfacher.
Intelligente Sensoren, die in der Lage sind, Vibrationen, Temperatur und Druck zu messen, können auf Altausrüstung angebracht werden und ermöglichen so die Sammlung und Bereitstellung von Daten in der gesamten Fabrik. Dies ermöglicht Einblicke in die Maschinenleistung und erforderliche anstehende Instandhaltungsmaßnahmen, was eine präventive Instandhaltungsstrategie unterstützt. Stellt ein smarter Sensor fest, dass ein Ausrüstungsteil möglicherweise bald defekt wird, kann der Hersteller als Gegenmaßnahme das entsprechende Ersatzteil bestellen.
Auch wenn diese einfachen Schritte möglicherweise nicht der Vorstellung gerecht werden, dass man mit seinem intelligenten Kühlschrank problemlos Zugriff auf jede einzelne Ausrüstungskomponente erhält, so bieten sie doch einen guten Ausgangspunkt für Fernzugang, -überwachung und -steuerung von Informationen in Fabriken.