COP26: Die wichtigsten Erkenntnisse für Hersteller

4 Minuten Lesezeit June 21, 2022
COP26: Die wichtigsten Erkenntnisse für Hersteller

Die UN-Klimakonferenz COP26 ist zu Ende gegangen. Sie hat Staatsoberhäupter, Nichtregierungsorganisationen, Aktivisten und Klimaschützer zu einem globalen Klimaereignis zusammengeführt.

Was sich für die einen wie ein katastrophales Scheitern anfühlte, war für andere ein erfolgreiches Beispiel für die sozialen und wirtschaftlichen Vorteile eines erneuten Zusammenkommens nach COVID-19. Abgesehen von den Debatten sind sich die meisten einig, dass die COP26 eine ehrgeizige Agenda vorgeschlagen hat, zumindest auf dem Papier.

So wurde auf der COP26 zum ersten Mal ein ausdrücklicher Plan zur Verringerung der Kohlenutzung vorgeschlagen. Die Länder einigten sich jedoch lediglich auf eine schwächere Verpflichtung zur schrittweisen Verringerung statt zum rigorosen Ausstieg aus der Kohle. Ebenso verpflichteten sich die Staaten, den Temperaturanstieg auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen, was zur Vermeidung einer Klimakatastrophe unbedingt erforderlich ist. Die Einhaltung aller Zusagen wird die globale Erwärmung jedoch nur auf 2,4 Grad begrenzen.

Laut der Nichtregierungsorganisation Energy & Climate ist die Industrie für fast ein Viertel der weltweiten Emissionen (23 Prozent) verantwortlich und stellt nach den Energieerzeugungssystemen die zweitgrößte Emissionsquelle dar. Auf der COP26 wurden mehrere Beschlüsse gefasst, um die Nachhaltigkeit verschiedener Aspekte der Produktion zu verbessern und das Netto-Null-Emissionsziel zu erreichen. Im folgenden Leitfaden werden die wichtigsten Erkenntnisse für die Hersteller erörtert, von der Lieferkette über den Transport bis hin zu technischen Lösungen.

Lieferketten – Entwaldung und grüne Schifffahrtskorridore

Jede Minute geht weltweit eine Waldfläche verloren, die der Fläche von 40 Fußballfeldern entspricht. Im vergangenen Frühjahr wurde in einem Bericht von Sustainalytics festgestellt, dass die Abholzung von Wäldern massive negative Auswirkungen auf die Unternehmen hat, u. a. geringere landwirtschaftliche Erträge aufgrund ausgelaugter Böden und die sog. Stranded Assets.

Mehr als 100 Länder haben eine Erklärung unterzeichnet, wonach der Methanverbrauch bis zum Ende des Jahrzehnts um 30 Prozent gesenkt werden soll

  • Auf der COP26 haben mehr als 100 Länder die Glasgower Erklärung zur Wald- und Landnutzung unterzeichnet, die heute 90,94 Prozent der weltweiten Wälder umfasst, was einer Fläche von 3.691.510.640 Hektar entspricht[1] Dieses internationale Abkommen zielt darauf ab, Wälder und andere terrestrische Ökosysteme zu erhalten, Gemeinschaften zu stärken und das Leben im ländlichen Raum zu verbessern, eine nachhaltige Landwirtschaft zu fördern und den Handel ohne Abholzung zu erleichtern.

    Große internationale Akteure wie Kanada, die Europäische Union, Deutschland und die USA haben außerdem die globale Verpflichtung zur Waldfinanzierung unterzeichnet. Für den Zeitraum von 2021 bis 2025 wurde eine beispiellose Unterstützung in Höhe von 12 Milliarden US-Dollar für waldbezogene Klimaprojekte zugesagt[1] . Ein großer Teil der Mittel ist für die Unterstützung entwaldungsfreier und nachhaltiger landwirtschaftlicher Lieferketten und deren Bemühungen um mehr Transparenz, Rückverfolgbarkeit und Fairness für kleinere Interessengruppen und lokale Gemeinschaften bestimmt.
  • Ein weiterer Meilenstein für Lieferketten auf der COP26 war die Einrichtung grüner Schifffahrtskorridore, die emissionsfreie Seeverkehrsrouten zwischen zwei Häfen schaffen sollen. Mindestens sechs grüne Korridore werden bis zur Mitte des Jahrzehnts gebaut, aber die Unterzeichner hoffen, dass sie ihre Aktivitäten ausweiten und längere Korridore schaffen können.

    Im Rahmen dieses Projekts verpflichteten sich die Länder auch, die Emissionen von Methan zu verringern, einem starken Treibhausgas, das nach Kohlendioxid die zweitgrößte Auswirkung auf das Klima hat und auch der wichtigste Kraftstoff im Seeverkehr ist. Mehr als 100 Länder haben eine Erklärung unterzeichnet, wonach der Methanverbrauch bis zum Ende des Jahrzehnts um 30 Prozent gesenkt werden soll aber viele glauben, dass dieses Ziel in den folgenden Jahren noch erhöht werden wird.

 

Verkehr – emissionsfreie Fahrzeuge und saubere Luftfahrt

Der Straßenverkehr ist der am schnellsten wachsende Sektor in Bezug auf die Umweltverschmutzung und ist derzeit für mehr als 10 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich. Um die Ziele des Pariser Abkommens zu erreichen, brauchen wir einen schnellen Übergang zu emissionsfreien Fahrzeugen (ZEVs). Die Luftfahrt ist ein weiterer Wirtschaftszweig, für den in den nächsten 30 Jahren ein erhebliches Wachstum erwartet wird. Für beide Sektoren werden die Beschlüsse der COP26 für einen Nachhaltigkeitsschub sorgen:

Um die Ziele des Pariser Abkommens zu erreichen, brauchen wir einen schnellen Übergang zu emissionsfreien Fahrzeugen (ZEVs).

  • Der Zero Emission Vehicle Transition Council (ZEVTC), ein Gremium von Regierungsvertretern und Ministern, deren Märkte zusammengenommen etwa die Hälfte aller Neuwagenverkäufe weltweit ausmachen, hat einen 2022 Aktionsplan unterzeichnet, der Maßnahmen für die Automobilinfrastruktur, aber auch für die Arbeitsbedingungen in der Industrie kombiniert.
     
    Das übergreifende Ziel des Abkommens ist es, ZEVs bis 2030 in allen Regionen zugänglich, erschwinglich und nachhaltig zu machen. In einem ersten Schritt wird eine Arbeitsgruppe aus Automobilherstellern, Energienetzbetreibern und Ladesäulenbetreibern gegründet, die Lösungen für die Einführung emissionsfreier leichter und schwerer Nutzfahrzeuge entwickeln soll. Sobald ein Plan vorliegt, werden die Interessengruppen einen Konsens über das Tempo des Übergangs zu ZEVs erzielen und sich auf wirksame Normen und Vorschriften für Kraftstoffe einigen.
     
    Um den Übergang zu ZEVs erfolgreich zu gestalten, muss die Umstellung wirklich global sein und auch unterentwickelte Regionen berücksichtigen. Der ZEVTC führte Regionale Dialoge mit Entwicklungsländern durch, um bewährte Verfahren auszutauschen und Entwicklungshilfe beim Aufbau einer effektiven Infrastruktur zu leisten. Die neuen Pläne gelten sowohl für Neufahrzeuge als auch für den Gebrauchtwagenmarkt, um einen gründlichen und robusten Übergang zu gewährleisten.
  • Auf der COP26 wurde auch die International Aviation Climate Ambition Coalition ins Leben gerufen, eine Gruppe, die sich verpflichtet hat, bis 2050 auf Netto-Null bei den CO2-Emissionen im Luftverkehr hinzuarbeiten. Eine Möglichkeit, dies zu erreichen, ist die Entwicklung von hybriden und vollelektrischen Flugzeugen, ein Projekt, das bereits von Solutions for Aircraft Electrification Leadership (SAEL) initiiert wurde.

Fertigung – 5G und grüne Technologien

In Vorbereitung auf die COP26 hatte Mobile UK, der Verband der britischen Mobilfunknetzbetreiber, einen Bericht mit dem Titel „5G’s Crucial Role in the Race to Combat Climate Change: How 5G will help lay the path to net zero“ (dt. Die entscheidende Rolle von 5G im Kampf gegen den Klimawandel: Wie 5G hilft, den Weg zu Netto-Null zu ebnen) in Auftrag gegeben. Der Bericht kommt zu dem Schluss, dass mobile Technologien und 5G in vielen Bereichen erhebliche Verbesserungen bringen werden und die Welt dem Traum von Netto-Null näher bringen.

In der Landwirtschaft zum Beispiel könnten vernetzte Drohnen und Sensoren die Emissionen um eine Million Tonnen CO2e reduzieren.

In der Fertigungsindustrie könnte die 5G-Technologie dazu beitragen, dass die Fertigungssektoren aller G7-Staaten zusammengenommen ihre Gesamtemissionen zwischen 2020 und 2035 um ein Prozent senken.

  • In der Fertigungsindustrie könnte die 5G-Technologie dazu beitragen, dass die Fertigungssektoren aller G7-Staaten zusammengenommen ihre Gesamtemissionen zwischen 2020 und 2035 um ein Prozent senken. Ein Prozent mag nicht viel erscheinen, aber es entspricht 182 Millionen Tonnen CO2e oder etwa 75 Prozent der jährlichen Kohlenstoffemissionen Frankreichs.
     
    Die 5G-Technologie kann bis zu 50.000 Geräte, Aktoren und Sensoren mit einem Netzwerk pro Zelle verbinden. Dies ist eine wichtige Verbesserung, um eine zuverlässige Konnektivität zu gewährleisten, was für die Stromversorgung von IoT-Geräten entscheidend ist. Diese Geräte werden die Smart Factories der Zukunft antreiben und den Weg zum Netto-Null-Ziel weisen.
     
    Um erfolgreich zu sein, muss die grüne Fertigung weltweit eingeführt werden, nicht nur in den Industrieländern. Auf der COP26 haben mehrere Staaten, darunter Deutschland, Spanien, Japan und Korea, Finanzmittel für das UN Climate Technology Centre and Network (CTCN) zugesagt, das Entwicklungsländern den Zugang zu grünen Technologien erleichtern und Fachkräfte für die Nutzung und Wartung der Maschinen ausbilden soll.
  • Dennoch fehlte auf der COP26 eine solide Diskussion über die Fertigung und Pläne, um die Industrie insgesamt grüner zu machen. Als weltweiter Vertreiber von Automatisierungsteilen hätte EU Automation gerne konkretere Pläne gesehen, wie Hersteller unterstützt werden können, die grüne Technologien einführen wollen, insbesondere für KMU. Im Vereinigten Königreich zum Beispiel setzt die „Net Zero Strategy“ zwar vernünftige Ziele, aber es wurden keine konkreten Wege definiert, wie diese erreicht werden sollen. Wenn das Vereinigte Königreich die so genannte „grüne Revolution“ erleben will, muss es eine echte Industriestrategie umsetzen, die Herstellern aller Größenordnungen hilft, den Übergang zu Netto-Null zu schaffen. Das Gleiche muss auf globaler Ebene geschehen.

 

Was kommt als Nächstes?

Die COP26 war vor allem eine Übung der Zusammenarbeit für ein großes Ziel. Wir werden die oben genannten Ziele nur erreichen können, wenn wir zusammenarbeiten, deshalb sollten wir alle unseren Beitrag leisten. Die folgenden Empfehlungen können Hersteller dabei helfen, nachhaltiger zu arbeiten und gleichzeitig das Geschäftsergebnis zu verbessern:

Durchgängig nachhaltige Lieferketten sind ein Muss, um die Abholzung zu beenden, aber auch um die Rückverfolgbarkeit Ihrer Waren zu verbessern.

  • Stellen Sie Ihre eigene Fabrik oder Produktionslinie auf den Prüfstand, um herauszufinden, was verbessert werden kann. Die einfachsten Möglichkeiten zur Verbesserung der Energieeffizienz sind zum Beispiel der Austausch der vorhandenen Lampen durch LEDs oder die Verbesserung der Isolierung. Fangen Sie klein an und steigern Sie sich schrittweise.
  • Kontaktieren Sie Ihre Lieferanten und Partner, um mehr über deren nachhaltige Praktiken zu erfahren. Durchgängig nachhaltige Lieferketten sind ein Muss, um die Abholzung zu beenden, aber auch um die Rückverfolgbarkeit Ihrer Waren zu verbessern. Bleiben Sie in Kontakt und tauschen Sie bewährte Verfahren aus.
  • Aktualisieren Sie Ihre Automatisierungsstrategie und halten Sie Schritt mit den Trends der Industrie 4.0. Der Einsatz neuer Technologien stellt sicher, dass Sie Ihre Nachhaltigkeitsziele erreichen und gleichzeitig mit hochmodernen Maschinen arbeiten, die eine Senkung der Emissionen bei gleichzeitiger Steigerung der Produktivität versprechen.
  • Informieren Sie sich. Es ist wichtig, die neuesten Anforderungen und Gesetze zur Nachhaltigkeit zu kennen, aber auch bei Veranstaltungen wie der COP26 auf dem Laufenden zu bleiben, um wertvolle Lektionen zu lernen. Eine nützliche Ressource ist das Wissenszentrum von EU Automation.

 

Fazit

Die COP26 bot sowohl Chancen für eine nachhaltige Entwicklung als auch Raum für Verbesserungen. Hinsichtlich der Fertigungsindustrie wurden auf der Konferenz deutliche Fortschritte bei der Entwicklung von Wertschöpfungsketten und der Dekarbonisierung des Verkehrs erzielt, aber es wurde zu wenig über die Unterstützung bei der Umsetzung potenzieller Technologien diskutiert, die den Übergang zu einer Netto-Null-Produktion unterstützen werden. Zusagen und Spenden großer internationaler Akteure sind ein Versprechen für eine nachhaltige, intelligente industrielle Entwicklung, aber Versprechen allein helfen nicht im Kampf gegen den Klimawandel.

Der letztendliche Erfolg der COP26 hängt von der Bereitschaft jeder einzelnen Nation und Organisation ab, ihren Teil der Abmachung zu erfüllen.

Eine der größten Errungenschaften der Veranstaltung ist die Verpflichtung zur Beendigung der Entwaldung, ein Thema, das alle betrifft, besonders aber indigene Völker und Menschen im globalen Süden. Die Schaffung entwaldungsfreier Lieferketten in Sektoren wie der Landwirtschaft oder der Lebensmittelindustrie wird nicht nur die Treibhausgasemissionen erheblich reduzieren, sondern auch den Wohlstand der Entwicklungsländer verbessern.

In ähnlicher Weise wird die Umstellung auf emissionsfreie Fahrzeuge in der gesamten Automobilindustrie, sowohl bei Neu- als auch bei Gebrauchtfahrzeugen, dafür sorgen, dass die Menschen weltweit von einem sauberen Verkehr profitieren können.

Und schließlich wird die Erschwinglichkeit, Zugänglichkeit und Attraktivität sauberer Technologien nicht nur die Emissionsreduzierung bis 2030 fördern, sondern auch mehr Arbeitsplätze und Wohlstand schaffen. Ohne einen soliden Plan für die Umsetzung dieser Technologien ist es jedoch schwierig, die Entwicklung dieses Projekts vorherzusagen.

Der letztendliche Erfolg der COP26 hängt von der Bereitschaft jeder einzelnen Nation und Organisation ab, ihren Teil der Abmachung zu erfüllen. Trotz einiger Unzulänglichkeiten ist es der Veranstaltung gelungen, das drängendste Problem unserer Gesellschaft – den Klimawandel – erneut in den Vordergrund zu rücken. Es liegt nun an jedem von uns, einen Beitrag zum Kampf gegen das Klima zu leisten.

Wenn Sie mehr über das Engagement von EU Automation bei der Eindämmung des Klimawandels erfahren möchten, einschließlich unserer Unterstützung für generalüberholte und obsolete Automatisierungsteile, besuchen Sie unsere Website unter www.euautomation.com.

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