Mensch gegen Maschine: Sind Roboter in der Fertigung etwas für jedermann?

Im Wettlauf um Effizienz und Innovation haben sich Branchen weltweit der Automatisierung zugewandt. Die Robotik mit ihrem Versprechen von Präzision, Geschwindigkeit und Reproduzierbarkeit hat viele Branchen in ihren Bann gezogen. Dazu gehören die Luft- und Raumfahrt und die Automobilherstellung.

Es besteht die allgemeine Ansicht, dass die Industrieautomatisierung die Antwort auf alle Herausforderungen in der Fertigung ist. Angesichts des täglichen Aufkommens neuer Technologien ist leicht zu verstehen, warum. Doch eignet sich Robotik für alle Menschen?  Wie wir sehen werden, ist die Antwort nicht so einfach, wie es zunächst scheint.

Wenn Roboter nicht die Antwort sind

Die Nachteile von Robotern

Branchenriesen wie Mercedes-Benz, Toyota, Boeing und Tesla haben versucht, ein hohes Maß an Automatisierung in ihre Produktionslinien zu integrieren. Ziel dieser Maßnahme war die Optimierung von Geschäftsprozessen. Allerdings führten diese Versuche manchmal zu unvorhergesehenen Automatisierungsherausforderungen sowie zu einer Rückkehr zu stärker von Arbeitskräften abhängigen Prozessen.

Der Mercedes-Benz-Konzern zog 2016 die Fließbandroboter im Werk Sindelfingen aus dem Verkehr, da es schwierig war, den steigenden Anforderungen an die Fahrzeugindividualisierung gerecht zu werden. Markus Schaefer, damaliger Produktionsleiter, merkte an, dass Menschen wieder eine wichtigere Rolle in industriellen Prozessen spielen müssen, damit insbesondere der Vielfalt und dem Tempo von Veränderungen Rechnung getragen werden kann.

Ebenso  stellte Toyota im Jahr 2014 die Robotik in wichtigen Produktionsbereichen schrittweise ein und legte wieder Wert auf den Bedarf an qualifizierten Arbeitskräften zum Lokalisieren von Problembereichen. Beide Fälle machten deutlich, wie wichtig Flexibilität und das Gleichgewicht zwischen Mensch und Maschine sind.

Bei Herstellungsprozessen in der Luft - und Raumfahrt kam es im Sommer 2019 zu einem großen Rückschlag, als Boeings Automatisierungssystem für die Rumpfproduktion der 777 ausfiel. Trotz des neuen Ansatzes dauerte die Einrichtung des Systems zu lange und war ungenau. Dies führte schließlich dazu, dass Boeing zu traditionelleren Methoden mit menschlichen Maschinisten zurückkehrte.

Ebenso stieß Teslas ehrgeiziger Produktionsplan für das Modell 3 im April 2018 auf Fallstricke der Überautomatisierung. Elon Musk gab zu, sich zu sehr auf ein „verrücktes, komplexes Netzwerk an Förderbändern“ verlassen zu haben, das die Produktion erheblich verlangsamte. Tesla musste seine Fertigungsstrategie überdenken, da Musk den Bedarf an mehr menschlichen Arbeitskräften am Fließband akzeptierte.

Diese Fälle zeigen, dass vollständige Industrieautomatisierung nicht immer der Königsweg ist. Feste Automatisierungssysteme mögen für die Massenproduktion nützlich sein, ihnen fehlt jedoch die Flexibilität der Zusammenarbeit zwischen Mensch und Roboter.

Sind Roboter das Richtige für mich?

Angesichts dieser Erfahrungen könnte man sich fragen: Passt Robotik zu meiner Produktionslinie? Die Antwort liegt im komplexen Gleichgewicht zwischen menschlichen Arbeitskräften und intelligenten Robotern.

Wenn Sie sich mit Automatisierung befassen, ist es wichtig, sich zunächst Ihr aktuelles Setup anzusehen und herauszufinden, was für die Zusammenführung getan werden muss. Berücksichtigen Sie Faktoren wie die Notwendigk eit von Produk tanpassung, Prozessflexibilität und Produktionsgeschwindigkeit.

Mercedes-Benz und Toyota zeigen, dass Technologie die Dinge effizienter machen kann, aber nicht immer mit individuellen Anpassungen und schnellen Änderungen zurechtkommt. In diesen Fällen kann ein hybrider Ansatz, bei dem sowohl Fachkräfte als auch kleinere Roboter eingesetzt werden, das Beste aus beiden Welten bieten.

Die Erfahrungen von Boeing und Tesla zeigen die Gefahren der Überautomatisierung. Es ist wichtig, einen strukturierten, durchdachten und systematischen Ansatz zur Automatisierung zu verfolgen. Bei einer vollständigen Automatisierung eines komplizierten Prozesses steigt die Wahrscheinlichkeit des Auftretens unerwarteter Probleme.

Roboter können Effizienz und Präzision zwar erheblich verbessern, ersetzen aber nicht die Problemlösungsfähigkeit und Flexibilität menschlicher Arbeitskräfte. Meistens werden optimalste Ergebnisse durch Kombination menschlichen Wissens mit der Effizienz von Robotern auf betriebsspezifische Art und Weise erzielt.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Roboter nicht immer die Lösung für jede Fertigungsanwendung sind. Bei umsichtigem und harmonischem Einsatz können sie jedoch zweifellos eine wesentliche Rolle spielen. Auf unserem Weg in die Zukunft wird das Finden der optimalen Mischung aus Mensch und Maschine weiterhin eine entscheidende Aufgabe sein.

Share