Die Ausbildung der nächsten Generation von Lieferkettenspezialisten

Unterbrechungen und Störungen von Lieferketten sorgten in den letzten Jahren für beträchtliche Auswirkungen auf die Fertigungsindustrie, und es sieht nicht so aus, als würde diese Tendenz abnehmen. In diesem Kontext sind Lieferkettenmanager, die unter widrigsten Umständen Materialien und Teile beschaffen und damit den Tag retten, wahre Helden. Plattformen für Lieferkettentransparenz und Tracking-Technologien erweisen sich nun als unerlässlich, um stets den Überblick zu bewahren. Und das bedeutet, dass die nächste Generation von Lieferkettenmanagern mit diesen Technologien hervorragend vertraut sein muss. Was bedeutet das für die Zukunft der Ausbildung dieser Spezialisten?

Das Berufsfeld des Experten für Lieferkettenmanagement ist stark im Kommen – laut Jan Godsell, Professor für Betriebs- und Lieferkettenstrategie an der Universität Warwick, gab es vor zwanzig Jahren in nur etwa 10 Prozent der Unternehmen einen Supply Chain Director, wohingegen dies heute bei fast 50 Prozent der Fall ist. Dieser Trend spiegelt sich auch im Bildungswesen wider: Rund um den Globus bieten Universitäten ein ständig wachsendes Angebot an Programmen und Studiengängen für Supply Chain Management an.

In der Tat haben neue globale Herausforderungen Beschaffung und Logistik revolutioniert, weshalb Branchenexperten – oder solche, die es noch werden wollen – eine Reihe von digitalen Fähigkeiten benötigen, die bislang selten gebraucht wurden. Während die nächste Generation digital versierter Lieferkettenmanager also im formalen Ausbildungssystem auf ihren Einsatz vorbereitet wird, müssen Unternehmen ihre Strategie hinsichtlich Schulung, Weiterqualifizierung und Mitarbeiterbindung neu ausrichten.

Freund oder Feind?

Technologisches Know-how ist nicht mehr lediglich eine Option, und Lieferkettenmanager müssen digitale Werkzeuge zur Verbesserung der Transparenz und des Managements erweiterter Lieferketten praktisch im Schlaf beherrschen. Ohne soliden technischen Hintergrund besteht jedoch die Möglichkeit, dass Supply Chain-Manager sich in einem Labyrinth aus nicht vernetzten, dezentralen digitalen Lösungen verlieren, die keinen Mehrwert schaffen.

Die Digitalisierung schreitet so rasch voran, dass es für Supply-Chain-Teams nicht möglich ist, jederzeit über die neuesten Entwicklungen auf dem Laufenden zu bleiben. Um in ihrem Beruf erfolgreich zu sein, sollten Lieferkettenexperten jedoch stets bereit sein, den Umgang mit neuen digitalen Tools zu erlernen und damit zu experimentieren. 

So kann beispielsweise eine solide Kenntnis von Lagerverwaltungssystemen (Warehouse Management Systems, WMS) und ihren Vorteilen Mitarbeiter dabei unterstützen, den Lagerbetrieb zu kontrollieren und zu optimieren und so sicherzustellen, dass Waren und Güter das Lager so effizient und kostengünstig wie möglich durchlaufen. Diese Art von Software automatisiert Funktionen wie Bestandsverfolgung, Kommissionierung und Warenannahme und bietet jederzeit einen vollständigen Überblick über den Bestand eines Unternehmens, ob im Lager oder auf dem Transportweg. 

In ähnlicher Weise helfen Transportmanagementsysteme (Transport Management Systems, TMS) Logistikunternehmen dabei, ihre Aufträge zu verfolgen und erleichtern die Zusammenarbeit über verschiedene Knotenpunkte der Lieferkette hinweg, wie etwa zwischen Lagern, Vertriebszentren und Spediteuren. TMS automatisieren die Routenplanung, Auslastungsoptimierung, Sendungsverfolgung, Frachtzahlungen und vieles mehr. Derartige Software bietet gesteigerte Flexibilität für Änderungen in letzter Minute und erlaubt die Anpassung an eine Vielzahl von unerwarteten Szenarien, doch nur etwa 35 Prozent aller Spediteure nutzen ein TMS. Logistikunternehmen, deren Mitarbeiter mit dieser Technologie vertraut sind, können daraus einen Wettbewerbsvorteil ziehen und sind in der Lage, Aufträge selbst unter völlig unvorhersehbaren Bedingungen auszuführen.

Daten statt Bauchgefühl

Die Beherrschung digitaler Tools kann Lieferkettenmanagern die für die Prozessoptimierung benötigten Informationen liefern. Ohne die Fähigkeit, Daten zu interpretieren und basierend darauf die beste Vorgehensweise zu ergreifen, sind diese Informationen jedoch nutzlos. Datengestützte Entscheidungsfindung ist daher eine Kernkompetenz, die es Lieferkettenmanagern ermöglicht, von althergebrachten Pfaden Abstand zu nehmen, neue Wege zu erkunden und innovative Konzepte zu testen und sich dabei auf harte Fakten und nicht auf ihr Bauchgefühl zu stützen. 

Digitale Plattformen ermöglichen es Supply Chain-Teams, weniger Zeit für banale Aufgaben zu verschwenden, die besser an künstliche Intelligenz übertragen werden, während sich die Mitarbeiter auf eine Strategie zur Steigerung der Flexibilität und operationellen Widerstandsfähigkeit konzentrieren können. Wenn sie digitale Technologien beherrschen und lernen, Daten zu interpretieren und aufbauend darauf erfolgreiche Strategien zu entwickeln, können Unternehmen die nächste Generation von Lieferkettenspezialisten fördern und intern heranziehen.

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