Auf nach Wakanda

Der 2018 erschienenen Film „Black Panther“ spielt teilweise in Wakanda, einem utopischen Staat, in dem dank außergewöhnlicher technologischer Entwicklungen Hunger, Krankheit und Armut überwunden wurden. Und so leben die Bewohner dieses prosperierenden Landes in Harmonie miteinander, während die Wirtschaft floriert. Doch auch wenn Afrika weit davon entfernt ist, sich zu dem Hightech-Paradies zu entwickeln, das den Marvel-Studios bei ihrer Umsetzung von Wakanda augenscheinlich vorgeschwebt ist, schlagen zahlreiche zukunftsorientierte Länder auf dem Kontinent schon heute Kapital aus den technologischen Fortschritten der Industrie 4.0. In diesem Artikel analysiert Jonathan Wilkins, Direktor bei EU Automation, dem Zulieferer für Automatisierungsbauteile, die Auswirkungen der Vierten Industriellen Revolution in Afrika.

 Im Lauf der Geschichte hat die Fertigungsbranche immer wieder ihr enormes Potenzial zur Ankurbelung von raschem Wirtschaftswachstum unter Beweis gestellt, indem sie unzähligen arbeitslosen Bürgern durch korrekt bezahlte Arbeitsplätze stabile Zukunftsaussichten bot.

In so unterschiedlichen Ländern wie in den USA, in Großbritannien, Deutschland und Japan war es ein solide aufgestellter Fertigungssektor, der die jeweilige Volkswirtschaft revolutionierte und einen ausschlaggebenden Faktor für die Transformation von einer ländlichen Agar- hin zu einer Industriegesellschaft darstellte. In der jüngeren Vergangenheit leistete die Fertigungsbranche einen bedeutenden Beitrag zum Wachstum aufstrebender Wirtschaftsmächte wie China, Indien und Brasilien.

Das klassische Narrativ, wonach die Fertigungsbranche allgemeinen Fortschritt mit sich bringt, hat es traditionell in zahlreichen afrikanischen Staaten bis jetzt nicht geschafft, Fuß zu fassen, doch dies ist im Begriff, sich zu ändern. Führende afrikanische Politiker und Hersteller sind sich durchaus des Potenzials bewusst, das im Zusammenhang mit der Ankurbelung des Wirtschaftswachstums und dem damit verbundenen Abbau von Arbeitslosigkeit in der Fertigungsindustrie steckt, und investieren daher stark in Automatisierungs- und Digitalisierungstechnologien.

Initiativen, die den Wandel vorantreiben

Im März 2018 riefen 54 der 55 Mitgliedstaaten der Afrikanischen Union die Panafrikanische Freihandelszone (African Continental Free Trade Area, AfCFTA) ins Leben. Die Wirtschaftskommission für Afrika der Vereinten Nationen hat geschätzt, dass die AfCFTA den innerafrikanischen Handel bis 2022 um 52 Prozent steigern und hervorragenden Bedingungen für die Fertigungsindustrie schaffen wird.

Der Spezialist für Wirtschaft und Entwicklung der „Africa Growth Initiative“, Landry Signé, stimmt diesen positiven Prognosen zu und erörtert, dass die Ausgaben im Business-to-Business-Bereich in der afrikanischen Fertigungsbranche Erwartungen zufolge bis 2030 auf 666,3 Milliarden Dollar steigen sollen, was im Vergleich zu 2015 einem Zuwachs von 30 Prozent entspricht.

Diese ermutigenden Zahlen bieten motivierten afrikanischen Ländern nun neue Möglichkeiten für die Modernisierung ihrer industriellen Sektoren. Südafrika, Ägypten und Nigeria sind schon heute Vorreiter auf diesem Gebiet und haben ihre Nachbarn im Global Manufacturing Competitiveness Index, dem Index für die Wettbewerbsfähigkeit der Fertigungsindustrie, bereits überflügelt.

Doch auch neue Akteure wie Äthiopien, Marokko und Ruanda investieren in ihre Infrastruktur, um von den Vorteilen der Vierten Industriellen Revolution zu profitieren. Ruanda verfügt beispielsweise über eines der effizientesten Gesundheitssysteme auf dem afrikanischen Kontinent, in dem Hightech-Unternehmen modernste Lösungen in Bereichen wie Telemedizin und digitales Gesundheitswesen anbieten.

Die Herausforderungen

Trotz vielversprechender Ergebnisse bleibt noch einiges zu tun, um das volle Potenzial der afrikanischen Fertigungsbranche erschließbar zu machen.

Eine der bedeutendsten Hürden für afrikanische Hersteller ist die Umsetzung der Digitalisierung bei gleichzeitiger Minimierung ihrer negativen sozialen Auswirkungen wie beispielsweise dem Verlust von Arbeitsplätzen durch Automatisierung. Folglich muss die Einführung aufstrebender Technologien durch Maßnahmen wie Schulungsprogramme begleitet werden, die es Fabrikarbeitern ermöglichen, neue Fähigkeiten und höhere Qualifikationen zu erwerben.

Eine solche Vorgehensweise ermöglicht es, dass automatisierte Lösungen dem Menschen gefährliche, monotone und repetitive Aufgaben abnehmen und dass die menschlichen Arbeitskräfte komplexere Arbeiten übernehmen können, wo Entscheidungsfindungs- und Problemlösungskompetenzen gefragt sind.

Eine weitere Herausforderung ist die Modernisierung der Konnektivitätsinfrastruktur. Diese ist nicht nur notwendig, damit Hersteller ihre Ausrüstung mit dem Industriellen Internet der Dinge (Industrial Internet of Things, IIoT) vernetzen können, sondern auch, damit sie unabhängig von ihrem jeweiligen Aufenthaltsort mit ihren Kunden und Geschäftspartnern kommunizieren können.

Schlussendlich ist auch die Cybersicherheit ein bedeutendes Thema. Südafrika war im September 2019 Gastgeberland der Afrikatagung des Weltwirtschaftsforums, und die politische Führung des Landes stellte hier klar, dass sie ihre Hoffnungen in das wirtschaftliche Potenzial der Digitalisierung setzt.

Pikanterweise wurde nur zwei Monate vor der Veranstaltung ein bedeutender Stromanbieter in Johannesburg Opfer einer Ransomware-Attacke, die dazu führte, dass Millionen Menschen von der Stromversorgung abgeschnitten waren. Dieses Blackout zeigte einmal mehr die Notwendigkeit der Verbesserung der Cybersicherheit auf, und zwar in einem Tempo, das mit der fortschreitenden Digitalisierung Schritt hält – denn je weiter fortgeschritten die Digitalisierung ist, desto höher sind die Risiken aufgrund von Cyber-Bedrohungen.

Es gibt also noch eine Menge zu tun, bevor sich Afrika in ein Hightech-Paradies wie Wakanda verwandeln kann. Doch ähnlich wie die tapferen Krieger im Film „Black Panther“ kämpfen auch die afrikanischen Hersteller unermüdlich, um den Wohlstand und Erfolg ihrer Heimatländer zu sichern.

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