Exklusives Interview! - Patrick Gouhin

Exklusives Interview! - Patrick Gouhin

In einem exklusiven Interview für AUTOMATED spricht Jonathan Wilkins mit Patrick Gouhin, Geschäftsführer des gemeinnützigen Berufsverbandes International Society of Automation (ISA), über die Frage, wie sich Unternehmen und Mitarbeiter am besten auf die Automation vorbereiten können.

AUTOMATED: Da Innovation in der Industrie weiter zunimmt, stellt sich die Frage, wie Unternehmen mit Best Practices umgehen sollen.

Gouhin: Heutzutage bedeutet Wachstum vor allem Informationsaustausch, Vernetzung und Problemlösung durch neue Technologien innerhalb bestimmter Anwendungen. Dies ist mit einem der größten Vorteile verbunden, die eine Mitgliedschaft bei einem technischen Berufsverband wie der ISA mit sich bringen: Unsere Gespräche mit unseren Mitgliedern konzentrieren sich in erster Linie auf die Frage, wie unsere Branchen wachsen und effizienter werden können.

In vielerlei Hinsicht ist die ISA eine große Gruppe von Techies, die sich mit anderen Techies austauschen und dabei neue Anwendungen für aufkommende Technologien identifizieren. Natürlich muss jedes Unternehmen sein Wettbewerbswissen wahren, das es von anderen Unternehmen auf dem Markt abhebt, doch bei den Tagungen und

Symposien der ISA kommt es dennoch nach wie vor in hohem Maße zu einem Austausch von Best Practices.

AUTOMATED: Welchen Automationsproblemen stehen ISA-Mitglieder erfahrungsgemäß gegenüber und wie gehen sie diese an?

Gouhin: Eine der größten Herausforderungen besteht nach wie vor darin, dafür zu sorgen, dass die Chefetage sich der Tatsache bewusst ist, dass Automationsfachkräfte und die Automationslösungen, die sie bedienen, dem Unternehmen einen großen Vorteil verschaffen.

Häufig wird Automation einfach nur als Kostenstelle erachtet, ohne dabei die Rendite oder die verbesserte Sicherheit oder Zuverlässigkeit zu berücksichtigen, die damit einhergehen. Das beste Beispiel dafür ist wohl momentan die Verringerung der Cybersicherheitsrisiken im Zusammenhang mit Industriesteuersystemen (Industrial Control Systems, ICS).

Die ISA hat dazu eine Reihe von international anerkannten Normen mit der Bezeichnung ISA/IEC-62443 entwickelt. Obwohl sich diese sektorübergreifend anwenden lassen und für jedes Unternehmen hilfreich sind, das über einen Plan zum Schutz kritischer Infrastruktur verfügt, sieht es ganz danach aus, dass viele Unternehmen die damit einhergehenden Risiken nicht angemessen bewertet haben. Zu unserer Lösung gehören Interessenwerbung und Aufklärung. Wir haben sowohl

kostenloses als auch kostenpflichtiges Material im Angebot, das Unternehmen aufklärt und zum Schutz seiner Vermögenswerte beiträgt.

AUTOMATED: Welcher Sektor ist Ihrer Meinung nach maßgebend im Bereich Automation und was können andere von ihm lernen?

Gouhin: Diese Frage wird uns oft gestellt. Automation ist aber ein technischer Bereich, der so weitreichend ist, dass jeder Sektor seine eigenen Best Practices hat. Dies ist ein weiterer Aspekt des Mehrwerts, den ein Berufsverband bietet. Er ist nicht sektorspezifisch, sondern bietet einen Überblick.

Innerhalb der ISA gibt es 17 verschiedene technische Bereiche. Es kommt also regelmäßig zum Austausch von Technologien und Ideen. Die einzigartigen Anforderungen des einen Sektors werden häufig erfüllt und dann auf die Anforderungen eines anderen Sektors übertragen oder ausgerichtet.

AUTOMATED: Welche Technologien und Verfahren werden Ihrer Meinung nach die Automation revolutionieren?

Gouhin: Momentan verzeichnen wir eine starke Konzentration auf den Bereich ICS- Cybersicherheit. Es gibt jedoch auch Arbeit in Bereichen wie Alarmmanagement, Mensch-Maschine-Schnittstellen und Verfahrensautomation. Viele dieser Bereiche bilden zusammen die Grundlage für das industrielle Internet der Dinge (IIOT).

Industrie 4.0 und fortschrittliche Fertigungsinitiativen gehören zu den Begriffen, die häufig im Zusammenhang mit Technologien gebraucht werden, die den neuen Fertigungsanforderungen gerecht werden sollen. Doch letztendlich dreht sich dabei alles um verschiedene Technologien und Standards im Zusammenhang mit der erfolgreichen Umsetzung in industriellen Umgebungen.

AUTOMATED: Wie können Unternehmen ihre Belegschaft auf Automation vorbereiten?

Gouhin: Schulung und Aufklärung sind entscheidend, und genau da setzt die ISA an. Wir schulen Ingenieure und Techniker in einer Vielzahl von Formaten, wie z. B. synchron, asynchron, online, mit oder ohne Aufsicht sowie labor- und simulationsbasiert.

Wir bieten einzigartige Kurse sowie Zertifikats- und Lizenzierungsprogramme. Wir arbeiten mit Einzelpersonen und Unternehmen an der Beurteilung von Fertigkeiten und entwickeln Karrierewege, um den Anforderungen von heute und morgen gerecht zu werden. Da die Technologien und Anwendungen einem ständigen Wandel unterliegen, sollte der Bedarf an fortlaufenden Schulungen bei allen Arbeitnehmern und auch bei ihren Arbeitgebern stets ein Thema sein.

AUTOMATED: Welche Sicherheitsbedenken gibt es im Bereich Surround- Automation und wie lassen sich diese überwinden?

Gouhin: Letztendlich ist nichts wichtiger als die Sicherheit der Mitarbeiter, der Anlage, des Arbeitsumfeldes und der Umgebung des Unternehmens. Vieles davon wird in der

Norm ISA84 und ihrer IEC-Entsprechung IEC-61511 geregelt. Ein Sachverständigenausschuss arbeitet seit 20 Jahren an dieser Normenfamilie. Diese sollte zuerst konsultiert werden, um die Sicherheit der Belegschaft und des Produktionsbetriebs zu gewährleisten.

AUTOMATED: Welche Gefahren stellen Cyberangriffe im Hinblick auf die Tatsache dar, dass immer mehr Unternehmen nach dem Konzept Industrie 4.0 arbeiten und Prozesse zunehmend digitalisiert werden?

Gouhin: Das Umfeld und die damit einhergehenden Bedrohungen ändern sich ständig. Die Probleme mit der Cybersicherheit begannen bereits vor Jahren im IT-Bereich. Doch im Zuge der Einführung moderner Technologien im Bereich Industriesteuersysteme ist ein völlig neuer Funktionsbereich namens Betriebstechnologie (Operational Technology, OT) entstanden.

Dies bedeutet, dass Abwehr und Reaktion koordinierter ablaufen müssen, was wiederum von einer engeren Zusammenarbeit zwischen Fachleuten aus den Bereichen IT und OT im Unternehmen abhängt. Diese Zuständigkeiten werden derzeit in den fortschrittlichsten Unternehmen zusammengeführt, und wir sind der Meinung, dass dies in Zukunft immer öfter der Fall sein wird, da Cyberangriffe immer wahrscheinlicher werden.

AUTOMATED: Zum Schluss noch eine Scherzfrage: Wer ist Ihr Technik-Held?

Gouhin: Es gibt so viele, dass sich die Frage nur schwer beantworten lässt. Ganz oben auf der Liste stehen sicher Dick Morley, der Erfinder der SPS, und Dean Kamen, der versierte Investor, der das Segway erfunden und eine tolle Organisation namens FIRST (For Inspiration and Recognition of Science and Technology) gegründet hat, die junge Wissenschaftler inspiriert. Die beiden gehören sicherlich zu den herausragendsten Technik-Helden der heutigen Zeit, doch es gibt noch viele andere mehr.

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