Exklusives Interview! - Gerald Law

Exklusives Interview! - Gerald Law

In diesem exklusiven Artikel für AUTOMATED spricht Jonathan Wilkins mit Gerald Law, CEO von Innovation DB. Das Unternehmen verfügt über die weltgrößte Datenbank für innovative Technologien, die es Herstellern, Wagniskapitalgebern und Abteilungen für Forschung und Entwicklung ermöglichen, weltweit mit universitären Forschungseinrichtungen in Kontakt zu treten.

Verraten Sie uns bitte etwas mehr über Innovation DB und ihre Ziele?

Noch vor zehn Jahren arbeiteten wir mit dem britischen Research Council zusammen, um das UK Innovation Forum ins Leben zu rufen. Unser Ziel war es, britische Universitäten und staatliche Forschungseinrichtungen dabei zu unterstützen, bei der Entwicklung neuer Technologien besser mit Unternehmen zusammenzuarbeiten.

Von Unternehmen erfuhren wir, dass sie zwar oft wüssten, was sie entwickeln wollen, jedoch Schwierigkeiten damit hätten, bei Forschungseinrichtungen die nötigen Kompetenzen zu beschaffen. Als Reaktion darauf passten wir unsere Vorgehensweise an und benannten das Unternehmen in Innovation DB um, um die Kluft zwischen Unternehmen und Forschungseinrichtungen zu schließen. Heute können Unternehmen bei uns die vielversprechenden, neuartigen Technologien einsehen, die Universitäten weltweit entwickeln, und mit ihnen in Kontakt treten, um ihr Produktsortiment zu erweitern.

Wie arbeiten Sie mit Unternehmen und Universitäten zusammen, um diese Ziele zu erreichen?

Wir haben derzeit eine aktive Community mit über 10.000 Menschen in über 90 Ländern. Diese Unternehmen – von kleinen Start-ups bis hin zu großen Konzernen – können dank der Datenbank mit Akademikern in Kontakt treten und die für eine Zusammenarbeit am besten geeigneten Hochschulforscher finden. Mithilfe der Datenbank können Unternehmen und Akademiker einander gezielt suchen, statt eine groß angelegte Suche starten zu müssen.

Darüber hinaus treten wir mit diesen Unternehmen und Akademikern in Kontakt, um mehr über neue, revolutionäre Technologien in Erfahrung zu bringen. Auf der Grundlage dieser Informationen veröffentlichen wir regelmäßig Online-Berichte und veranstalten regelmäßig Events, um Unternehmen und Akademiker aus aller Welt zusammenzubringen, damit diese sich darüber austauschen können, wie diese Technologien ihre Branchen verändern. Vor Kurzem fand beispielsweise eine Veranstaltung zu den Themen KI und Blockchain in vernetzten medizintechnischen Geräten statt, nachdem wir mit einem Director von Philips gesprochen hatten, der wiederum Teil unserer Community war. Dank der Veranstaltung konnten Akademiker und Hersteller von Medizinprodukten gemeinsam über die Zukunft dieser Technologie sowie deren Auswirkungen sprechen.

Wie können Unternehmen mit der Datenbank arbeiten, um ihr Angebot zu erweitern?

Wir haben vor Kurzem eine neue Version unserer Datenbank veröffentlicht, die nun alle 13.500 Universitäten weltweit umfasst.

Unternehmen können nach Technologien aller Art suchen, die sie entwickeln möchten, wie z. B. Graphene, und jede Universität auf der Welt finden, die derzeit dazu in der Lage ist, kommerziell in diesem Bereich zu forschen.

Unternehmen können sich die Forschungseinrichtungen ansehen, die in verschiedenen disruptiven Technologien führend sind, und sich einen besseren Überblick darüber verschaffen, was sich in der Branche tut – selbst dann, wenn sie derzeit keine neuen Produkte oder Verfahren auf diesem Gebiet entwickeln.

Was war Ihrer Meinung nach in den letzten zehn Jahren die größte Innovation der Fertigungsindustrie?

Ich denke, dass in den letzten zehn Jahren die Nanofertigung rasante Fortschritte gemacht hat. Nanotechnologie lässt sich für viele verschiedene Anwendungen nutzen, um das Potenzial neuer Produkte zu erhöhen und Wege zu finden, die Industrie weltweit zu verbessern.

Auf Nanotechnologie basierende Geräte lassen sich überall installieren – von Flugzeugen bis hin zu tragbaren medizintechnischen Geräten. Einige der Unternehmen, mit denen wir zusammenarbeiten, entwickeln zum Beispiel eingebettete Druckmessgeräte, die nur nanometergroß sind und den Blutdruck überwachen und bei erhöhten Werten Alarm schlagen können, doch das ist nur ein Beispiel von hunderten.

Hersteller sollten in Betracht ziehen, Zeit und Geld in die Massenproduktion von Nanotechnologie zu investieren, sodass wir diese Geräte bei mehr Produkten einsetzen können. Die potenziellen Einsatzbereiche von Nanotechnologie und Geräten im Nanobereich werden immer mehr. Daher handelt es sich dabei um eine aufregende Entwicklung, die in der Fertigungsindustrie noch für viel Wirbel sorgen könnte.

Wie können die Hersteller sich Ihrer Meinung nach zukunftssicher machen?

Die Fertigungsindustrie hinkt häufig anderen Sektoren hinterher, was richtige Investitionen in neue Technologien betrifft, doch die Industrie 4.0 zwingt die Leute dazu, aufmerksam zu sein und sich bewusst zu machen, dass sie innovativ sein müssen. Unternehmen müssen jedoch schnell reagieren. Es dauert zwei bis drei Jahre, um eine neue Produktlinie zu entwickeln. Hersteller können also nicht warten, bis alle anderen es auch tun, da sie sonst eventuell zurückfallen.

Unserer Ansicht nach sollten Hersteller neue, interessante Technologien, die sich in der Entwicklung befinden, aufmerksam im Auge behalten und sich so zukunftssicher machen. Dann sollten sie experimentieren, um zu sehen, ob diese Technologien ihnen eine höhere Produktivität verschaffen oder zur Entwicklung spannender Produkte beitragen können. In der Regel geben Fertigungsbetriebe Skalierbarkeit und großflächiger Fertigung den Vorzug, was Experimente und Prototypen-Entwicklung teuer macht, sodass diese Dinge oft vernachlässigt werden. Stattdessen sollten sich Hersteller bewusst machen, in welche Bereiche sie investieren könnten. Zu guter Letzt müssen Unternehmen frühzeitig in diese Technologien investieren, um sich in ihren Branchen als Marktführer zu etablieren.

Wie wird sich die Fertigungsindustrie in den kommenden zehn Jahren aus Ihrer Sicht verändern und was wird die größte Innovation auf diesem Gebiet sein?

Die Welt steht Kunststoff immer feindseliger gegenüber. Plastik ist allgegenwärtig, und jede Branche muss neue Technologien und Verfahren anwenden, um unseren Kunststoffverbrauch zu reduzieren, vor allem jetzt, da die EU und andere Regierungsorganisationen damit anfangen, den Einsatz von Kunststoff zu verbieten.

Neue Materialien, die derzeit in der Industrie Einzug halten, können uns bei der Reduzierung von Kunststoff behilflich sein. Hersteller müssen neue Materialien nutzen und Produkte umgestalten. In anderen Bereichen wird der Druck immer größer, das Gewicht von Produkten zu reduzieren, wie zum Beispiel das von Fahrzeugen, um deren CO2-Bilanz aufzubessern. Die Umstellung auf neue Materialien wird sich irgendwann auf alle Bereiche der Lieferkette auswirken. Daher handelt es sich dabei um etwas, das sich Unternehmen der gesamten Fertigungsbranche zu Herzen nehmen sollten.

Zum Schluss noch eine allgemeine Frage: Wer ist Ihr Technik-Held?

Mein Technik-Held ist Alan Turing, da sein Beitrag zur Technik auch nach 50 Jahren noch deutlich spürbar ist. Seine akademische Arbeit hat ein grundlegendes Problem gelöst, das die Gesellschaft nachhaltig verändert hat. Wir konnten Computer und alle Geräte, die darauf folgten, nur dank Turings Arbeit entwickeln, und nur dank solcher innovativer Forschungsarbeiten sind wir dazu in der Lage, Produkte zu entwickeln und zu vermarkten, die unser Leben verändern.

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