Exklusives Interview! - Andrea Ferrari

Exklusives Interview! - Andrea Ferrari

In diesem Exklusiv-Interview mit AUTOMATED spricht Jonathan Wilkins mit Professor Andrea Ferrari, Direktor des Cambridge Graphene Centre und Science Technolgoy Officer der Forschungsinititative „Graphene Flagship“. Graphene Flagship ist eine von der Europäischen Kommission finanzierte Forschungsinitiative für zukünftige und neu entstehende Technologien, die darauf abzielt, Graphen und verwandte Werkstoffe vom Labor auf den Markt zu bringen.

AUTOMATED: Erzählen Sie uns bitte Näheres zu Graphene Flagship und seinen Zielen.

Die Geburtsstunde des Graphen Flagship war im Oktober 2013. Bei dieser Initiative handelt es sich um das größte Projekt zu neuartigen Werkstoffen, das jemals von der Europäischen Union finanziert wurde, ja vielleicht sogar um das größte derartige Projekt weltweit. Das Hauptziel des Flagship ist es, Graphen und andere Schichtmaterialien aus dem Labor zu bringen und sie für kommerzielle Anwendungen einzusetzen.

Im Rahmen dieser Initiative können Unternehmen und Universitäten aus ganz Europa ihre Forschungsarbeiten miteinander teilen und neue Technologien entwickeln. Wir arbeiten mit mehr als 150 Partnern und über 70 assoziierten Mitgliedern aus wissenschaftlichen und industriellen Forschungsgruppen in 23 Ländern zusammen.

AUTOMATED: Wie arbeiten Sie mit Unternehmen und Universitäten zusammen, um diese Ziele zu erreichen?

Der ursprüngliche Vorschlag wurde im Jahr 2010 von einem Konsortium aus neun Partnern, darunter Universitäten, Forschungszentren und Unternehmen, vorbereitet. Seitdem sind mehr als 140 neue Unternehmen und Universitäten als Partner oder assoziierte Mitglieder dazugekommen. Neue Partner sind über aktive Anfragen oder Interessensbekundungen zu uns gestoßen, und assoziierte Mitglieder können jederzeit durch das Flagship-Vorstandsgremium ausgewählt werden, in dem ich den Vorsitz habe. Das Flagship deckt viele Anwendungsbereiche wie Gesundheitswesen und Medizin, Elektronik und Photonik, Energieerzeugung und Verbundwerkstoffe ab, weshalb in den verschiedenen Anwendungsbereichen ein breites Spektrum an Endnutzern angesprochen wird.

AUTOMATED: Was unternimmt das Graphene Flagship, um Graphen als Werkstoff in der Massenfertigung zu etablieren?

Viele Unternehmen auf der ganzen Welt sind sich des Potenzials von Graphen und verwandten Werkstoffen bewusst, und investieren auch in diesbezügliche Forschung und Entwicklung. Das Flagship dient als zentraler Knotenpunkt für Wissenschaft, Technologie und Innovation in Europa und stellte die Vorreiterrolle der EU in sämtlichen bedeutenden Anwendungsbereichen sicher.

In den letzten fünf Jahren haben wir gemeinsam daran gearbeitet, die Skalierbarkeit der Graphen-Produktion zu verbessern. Jetzt kann dieser Werkstoff in größeren Mengen hergestellt werden, und zwar sowohl in Bezug auf die produzierte Oberfläche, als auch in Bezug auf die Menge, was eine einfache Integration in Geräte oder Verbundwerkstoffe ermöglicht.

AUTOMATED: Was sind die Hauptvorteile der Verwendung von Graphen in der Industrie?

Graphen ist so vielseitig, weil es sich dabei um eines der dünnsten, stabilsten und leichtesten Materialien handelt, die wir kennen. Es ist flexibel, undurchlässig für Moleküle und außerdem elektrisch und thermisch leitfähig. Aufgrund dieser Eigenschaften wird Graphen schon jetzt in manchen Technologien verwendet, darunter für Schuhe, Ski, Tennisschläger, Helme, Fahrräder und in zahlreichen anderen Verbundwerkstoffen. Daneben läuft die Entwicklung dieses Werkstoffs für seine Verwendung in flexiblen Displays, Lichtsensoren und Modulatoren, die die Geräteleistung in 5G-Netzwerken bei gleichzeitig verringertem Energieverbrauch steigern könnten, ständig weiter, und auch im Bereich Batterien und Superkondensatoren wird geforscht. Im Allgemeinen führt die Integration von Graphen und verwandter Materialien in Produkte zu einer Leistungssteigerung sowie zu einem verbesserten Endnutzererlebnis und zu mehr Kundenzufriedenheit.

AUTOMATED: Wie wird sich Graphen Ihrer Meinung nach auf die Zukunft des Fertigungssektors auswirken?

Unser Ziel liegt nicht darin, die Arbeitsweise der Fertigungsindustrie zu ändern. Statt traditionelle Fertigungsverfahren und -materialien zu ersetzen, wollen wir Hersteller dazu bringen, Graphen in bereits vorhandene Prozesse zu integrieren.

Die Verwendung von Graphen wird nicht nur Geschwindigkeit und Einfachheit der Produktion, sondern auch die Kosteneffizienz steigern. Graphen verbessert außerdem die Leistung von Produkten. Zum Beispiel macht es Verbundwerkstoffe noch leichter und flexibler.

AUTOMATED: Zum Schluss noch eine allgemeine Frage: Wer ist Ihr Technik-Held?

Meine akademische Karriere begann mit meiner Ernennung zum Maudslay Research Fellow (Forschungsstipendiat) am Pembroke College in Cambridge, Großbritannien. Maudslay war ein Maschinenbauingenieur und Erfinder zur Zeit der industriellen Revolution. Maudslay ist bekannt als der Vater des Werkzeugmaschinenbaus und viele seiner Erfindungen werden bis heute verwendet. Im Graphene Flagship bemühen wir uns, seinem Beispiel als Wegbereiter in praktischen Belangen und seinem Vorbild als genialer Erfinder zum Wohle der Gesellschaft zu folgen.

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