Interview

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Sándor Kolumbán
Das Unternehmen wurde ausschließlich zu dem Zweck gegründet, ein einziges Produkt zu entwickeln, das AR einsetzt, um Kunden industrielle Roboter zu präsentieren. Dieses Produkt haben wir auf den Namen ARBIRA getauft. Dabei handelt es sich um eine Abkürzung für „Augmented Reality-Based Interactive Robot Assistant“.
Sándor KolumbánExliteron

Erzählen Sie uns bitte etwas über Exliteron und dessen Gründung.

Kolumbán... Mein beruflicher Hintergrund in den Bereichen Informatik und Angewandte Mathematik hat es schon immer mit sich gebracht, dass Technologie und Forschung wichtige Themen für mich sind. Seit meinem zweiten Studienjahr entwickle ich Softwarelösungen, und so verfügte ich bis zum Abschluss meines Doktorats bereits über beinahe 15 Jahre Erfahrung als Softwareentwickler. Etwa 2017 wurde mir klar, dass ich selbst ein Unternehmen gründen wollte, statt wie bisher Lösungen für andere Firmen zu entwickeln.

Basierend auf meinen bisherigen Erfahrungen wurde mir bewusst, dass Augmented Reality (AR) die nächste große Sache sein wird, und dass es sich dabei um eine völlig andere Technologie handelt als all das, was wir derzeit in der Automatisierungsbranche üblicherweise im gesamten Bereich des Produktdesigns einsetzen. Für AR sind im Vergleich zu den heute üblichen Methoden sowohl andere Fertigkeiten, als auch ein völlig anderer Workflow erforderlich. Daher meine Überlegung, dass ein Ausloten der durch AR eröffneten Möglichkeiten überaus nützlich und profitabel sein würde. Vor diesem Hintergrund nahm ich an einer EU-Ausschreibung teil und erhielt für mein Projekt eine Start-up-Förderung – und das war der Anfang von Exliteron. Das Unternehmen wurde ausschließlich zu dem Zweck gegründet, ein einziges Produkt zu entwickeln, das AR einsetzt, um Kunden industrielle Roboter zu präsentieren. Dieses Produkt haben wir auf den Namen ARBIRA getauft. Dabei handelt es sich um eine Abkürzung für „Augmented Reality-Based Interactive Robot Assistant“. Unser erfahrenes Team aus drei Softwareentwicklern arbeitet zurzeit daran und stellt es Kunden vor, um den Ruf unseres Unternehmens aufzubauen.

Erzählen Sie mir mehr über ARBIRA.

Kolumbán... ARBIRA ist eine auf AR basierende Präsentationsplattform, die mehrere verschiedene Services bietet. Um eine Automatisierungslösung zu verkaufen, war es bis jetzt so, dass man Techniker brauchte, die die Lösung zunächst in einer computersimulierten Umgebung entwickelten und danach dem Kunden vorführten. In diesem Stadium können bei der üblichen Vorgehensweise PDFs, Videosimulationen und Tabellen erstellt werden, doch nichts von alldem ist wirklich greifbar und konkret. Wir bei Exliteron gehen einen Schritt weiter, nehmen diese digitalen Simulationen und bringen sie in die Produktionsanlage, für die sie entwickelt wurden. Dort verwenden wir Echtzeitaufnahmen der Produktionsumgebung am Aufstellungsort der neuen Maschine und fusionieren diese mit dem AR-erweiterte Abbild des Produkts.

Für völlig neu konzipierte und gebaute Maschinen bringt diese Vorgehensweise keinen enormen Mehrwert, da ohnehin alles laut Plan angepasst wird. Wenn es jedoch um die Automatisierung bereits bestehender Prozesse geht, ist es überaus wichtig, sich anzusehen, wie diese neue Automatisierung mit der existierenden Ausrüstung interagieren wird. Die Verwendung von AR für diese Zwecke bringt zwei bedeutende Vorteile mit sich. Derzeit ist es so, dass bei der digitalen Modellierung von Prozessen in der Vorbereitungsphase auch alle anderen Elemente und Prozesse in der Produktionsanlage modelliert werden müssen. Diese Schritt kann sehr mühsam sein, insbesondere dann, wenn es um komplexe Prozesse geht und eigentlich nur ein kleiner Teil hinzugefügt werden muss. In einem solchen Fall ist es wesentlich einfacher, nur die Komponenten zu modellieren, die man hinzufügen möchte, und sie dann mithilfe von AR in die Produktionsanlage zu projizieren. Das hilft, die Vorbereitungskosten und den notwendigen Zeitaufwand beträchtlich zu reduzieren.

Zweitens kann eine Lösung wie ARBIRA helfen, den Absatz zu steigern. Derzeit arbeiten wir mit einer rumänischen Firma zusammen, die kleine Roboterzellen produziert und in ganz Europa vertreibt. Statt nun jeden einzelnen Kunden mit einer kompletten Zelle aufzusuchen, um ihm vorzuführen, wie diese neben den bestehenden CNC-Maschinen arbeitet, können die Vertriebsmitarbeiter nun einfach ein Tablet mit unserer ARBIRA-Software verwenden. Es ist wesentlich einfacher, sieben Vertriebsmitarbeiter mit sieben Tablets auszustatten, als teure Maschinen durch ganz Europa zu transportieren.

Die Grundidee ist, dass mithilfe eines sorgfältigen Auswahlverfahrens jene Kunden identifiziert werden, die tatsächlich zu den potenziellen Abnehmern gehören, für die es sich lohnt, die Maschinen antransportieren zu lassen. Mit unserer App kann dieser Auswahlprozess in eine fortgeschrittenere Phase überführt werden, und zahlreiche potenzielle Kunden bekommen die Möglichkeit, sich anzusehen, welche Ausrüstung sie kaufen könnten.

Was ist die größte Innovation Ihres Unternehmens?

Kolumbán... Der Bereich der AR ist insofern etwas Besonderes, als dass diese Technologie kleineren Unternehmen erlaubt, wesentlich einfacher Zugang zu innovativen Lösungen zu erhalten. Trotzdem ist die Nutzung dieser Technologien sehr kompliziert, da die Entwicklungsprozesse aufwändig sind und einiges an mathematischem Wissen und Können erforderlich ist, um sie in der Praxis einzusetzen. Viele Unternehmen in der Automatisierungsbranche verfügen schlicht und einfach nicht über die Zeit und die Ressourcen, die für eine Implementierung notwendig sind. Der Rückgriff auf einen externen Anbieter ist für solche Firmen die bessere Lösung.

Darüber hinaus kann jemand wie ich, der ursprünglich nicht aus der Automatisierungsbranche kommt, Unternehmen oft dabei helfen, Chancen und Möglichkeiten zu erkennen, die aus der firmen- und brancheninternen Perspektive nicht erkennbar waren. Wenn wir unsere Lösung vorstellen und aufzeigen, wie sie den Workflow optimieren, die Designeffizienz verbessern und den Absatz steigern kann, überrascht das oft selbst die erfolgreichsten und technisch versiertesten CEOs. Es gab zwar vor vier bis fünf Jahren bereits ein paar AR-Anwendungen wie Pokémon Go, doch in zahlreichen Branchen herrscht immer noch Unwissenheit in Hinblick auf den vollen Umfang der Einsatzmöglichkeiten dieser Technologie.

Ich würde nicht sagen, dass wir hier nur im Bereich der Innovation arbeiten, aber wir bringen mit unserem Produkt auf jeden Fall etwas in die Branche ein, was es bis jetzt in der Automatisierung nicht gab und was mit enormen Vorteilen verbunden sein könnte.

Was war die größte Herausforderung, die Ihr Unternehmen zu stemmen hatte?

Kolumbán... Es gibt nach wie vor zahlreiche Hürden zu überwinden, doch am schwierigsten hat sich bis jetzt erwiesen, einen Fuß in die Lieferkette der Automatisierungsbranche zu bekommen. Grund dafür ist, dass die Branche nicht sehr öffentlich agiert und man üblicherweise nicht von Unternehmen hört, die in der Lieferkette in der zweiten Reihe stehen. Jeder von uns kennt einen großen Automobilhersteller, aber kaum jemand hat schon einmal von dem Unternehmen gehört, dass kleinere Komponenten liefert, die in den Fahrzeugen verbaut werden, obwohl auch das ein überaus rentables Geschäftsfeld ist. Automatisierung ist ebenfalls ein riesiger Wirtschaftszweig, ist jedoch in der Öffentlichkeit kaum sichtbar.

Um diese Herausforderung zu meistern, haben wir unsere Präsenz auf Messen intensiviert und uns um mehr Werbung gekümmert. 2019 fuhren wir zu einer großen Messe in Tokio, was uns zu mehr Sichtbarkeit und Kontakten in der Branche verholfen hat. Heute arbeiten wir mit Unternehmen zusammen, um mehr Daten über die Nutzung unseres Produktes und des damit verbundenen Nutzens für die Kunden zu sammeln.

In welcher Beziehung stehen Ihre Produkte und Dienstleistungen zur steigenden Nutzung von Automatisierung in der Fertigung?

Kolumbán... Vor etwa 10 bis 20 Jahren wurde Automatisierung durch neue Projekte vorangetrieben und völlig neue Prozesse wurden eingeführt. Mittlerweile stagniert die Anzahl solcher Projekte, da wir genug große Fabrikanalgen haben und einfach nicht mehr viel gebaut wird. Diese bestehenden Prozesse werden nun rekonfiguriert und modifiziert, und es zeichnet sich ab, dass Automatisierung nun auch kleinere Betriebe erreicht. So war der Beruf des Schweißers noch vor 15 Jahren ein sehr beliebter Beruf, doch heute ist es beinahe unmöglich, qualifizierte und handwerklich gute Schweißer zu finden. Für Unternehmen kann ein Weg in die Zukunft darin liegen, einige erfahrene Schweißer anzustellen und mehrere Roboter anzuschaffen, die deren Arbeit reproduzieren können.

Dieser Trend ist der Grund dafür, dass man als Automatisierungsintegrator mehr Projekte vorbereiten und dabei auch noch effizienter sein muss. Das bedeutet, dass Design- und Verkaufseffizienz gesteigert werden müssen. Und genau das ist die Gelegenheit, die wir für uns nutzen und für die wir eine Lösung erarbeitet haben. Ich kann mir vorstellen, dass AR in der Zukunft nicht nur als Ergänzung in der Designarbeit dient, sondern auch dazu genutzt wird, automatisch generierte Programme zu prüfen und zu korrigieren.

Der Tastsinn/ Moderne Cobots sind in der Lage, menschenähnliches...

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