Interview

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Benjamin Waters
Häufig ist das Aufladen mit Engpässen verbunden, doch die Nutzung unserer Technologie bedeutet, dass Unternehmen ihre Fuhrparks ohne Ladeprobleme erweitern können.
Benjamin WatersWiBotic

Erzählen Sie uns bitte etwas über WiBotic und dessen Gründung.

Waters... Der Kern der WiBotic-Technologie wurde während mehr als acht Jahren Forschung von zwei Mitbegründern, Joshua Smith und mir, an der Universität Washington in Seattle entwickelt. Ich habe im Fach Elektrotechnik promoviert, und mein Forschungsschwerpunkt war kabelloses Aufladen. Im Labor haben wir an kabellos betriebenen implantierbaren medizinischen Geräten gearbeitet — speziell diese Technologie war für ventrikuläre Unterstützungssysteme vorgesehen und erlaubt es Patienten, die Geräte ohne transkutanes Stromkabel zu betreiben. Die Arbeit an Anwendungen, die einen deutlichen Bedarf nach kabelloser Energietechnik aufweisen, hat mir viel Freude bereitet.

Die Roboterindustrie war begeistert von unserer Technologie, als wir eine Vermarktung in Erwägung zogen. Unternehmen kamen zu uns und erzählten uns, dass ein zuverlässigeres Aufladen mobiler Roboter erforderlich sei, da kontaktbasierte Systeme fehleranfällig seien. Im Mai 2015 habe ich die Universität abgeschlossen, und die Woche danach haben wir unsere erste Finanzierungsrunde gestartet — das Unternehmen war geboren.

Welche sind die wichtigsten Produkte oder Dienstleistungen von WiBotic?

Waters... WiBotic vertreibt sowohl Hardware als auch Software. Die Hardware besteht aus zwei Teilen; ein Übermittler, der in einer Einrichtung eingesetzt werden kann, und ein Empfänger, der sich an dem Roboter befestigen lässt. Der Empfänger kann eingehenden kabellosen Strom in Gleichspannung umwandeln und fungiert als vollständig programmierbares Ladegerät. Das WiBotic-System nimmt den Batterietyp nicht wahr, das heißt, es kann unterschiedliche Arten von Robotern von verschiedenen Unternehmen aufladen. Der Benutzer muss es nur per Programmierung an die richtige Stromspannung anpassen.

Die Software ist äußerst wichtig. Beim Aufladen eines kabellosen Mobiltelefons kann der Benutzer die Position des Telefons anpassen, bis die perfekte Position erreicht ist. Ein autonomes System jedoch hat diesen Luxus nicht. Daher haben wir Software entwickelt, um sicherzustellen, dass der Roboter zuverlässig in die Reichweite von ausreichender kabelloser Energie fahren kann.

Darüber hinaus ermöglicht die Software die Optimierung von Fuhrpark-Verfügbarkeit. Eine Lagerhalle mit 100 Robotern hat möglicherweise nur 50 Transmitter, doch da die API die Roboter über die Standorte der Transmitter informiert, darüber wie nah sie sind und ob sie frei verfügbar sind, kann der Einsatz des Fuhrparks gemanagt werden. Die Software API kommuniziert sowohl mit dem Roboter als auch mit dem Transmitter, und ermöglicht so eine Optimierung des Energiemanagements für den Fuhrpark.

Was war die größte Herausforderung, die WiBotic zu stemmen hatte?

Waters... Die Gewährleistung der Zuverlässigkeit des Systems hatte und hat weiterhin höchste Priorität für uns. Meine Erfahrung liegt in der Forschung, dazu gehörte das Betreiben eines Demonstrationsgeräts innerhalb eines beschränkten Umfelds. Es erforderte eine steile Lernkurve, um das Produkt aus dem Forschungsstadium hin zu einem Zustand zu führen, in dem es in jeder Umgebung funktioniert.  Bestimmte Faktoren sind schwierig beim kabellosen Aufladen — die Nähe anderer Metallobjekte, die Interferenzen mit anderen Geräten. Wir streben jedoch nach hoher Zuverlässigkeit und gehen die auftretenden Problemfälle proaktiv an.

Da ich aus der Technik komme, stand ich außerdem vor der Herausforderung, die geschäftlichen Aspekte zu verstehen. Ich musste lernen, einen Schritt zurück zu machen und über das große Ganze nachzudenken, einschließlich Finanzierung, Umsatzsteigerung und Mitarbeiterführung. Durch diesen Prozess hindurch habe ich eng mit Beratern zusammengearbeitet.

Was ist die größte Innovation Ihres Unternehmens?

Waters... Unsere zentrale Technologie ermöglicht kabelloses Aufladen, das flexibler als traditionelle Systeme ist. Beispielsweise erfordert kabelloses Aufladen für Mobiltelefone, dass sich das Telefon etwa innerhalb von 1 cm vom Transmitter befindet. Für einen Roboter wäre es schwierig, exakt und kontinuierlich so nah an den Empfänger zu gelangen. Mit unserer Technologie muss der Roboter lediglich auf 10 cm herankommen, um vollständig aufzuladen ─ er muss nicht perfekt positioniert sein.

Wir ermöglichen darüber hinaus die Optimierung der Logistik von Elektro-Fuhrparks. Häufig ist das Aufladen mit Engpässen verbunden, doch die Nutzung unserer Technologie bedeutet, dass Unternehmen ihre Fuhrparks ohne Ladeprobleme erweitern können.

Wie passt Ihr Produkt zum zunehmenden Einsatz von Automation?

Waters... WiBotic konzentriert sich auf drei Bereiche — Systeme, die Zuverlässigkeit erfordern, batteriebetriebene Fuhrparks und Systeme, die einen hohen Automationsbedarf haben. Industrielle Automatisierungseinrichtungen sind häufig mit einer Vielzahl an Sensoren ausgestattet, die geladen, kontrolliert und instandgehalten werden müssen. Wenn eine Einrichtung keinen Strom mehr hat, kann dies zu Stillstandszeiten führen.

Während die Übertragung von Sensordaten dank WLAN für einige Zeit kabellos erfolgte, ist es mit Energie genau das Gegenteil. In der Vergangenheit wurden Sensoren über ein angeschlossenes Kabel geladen, doch dieses kann eine Stolperfalle darstellen und sich mit der Zeit abnutzen. Der industrielle Automatisierungsmarkt kann durch Nutzung von kabellosem Aufladen erheblich profitieren, da ausschließlich die Batterien der Sensoren von Zeit zu Zeit wieder aufgeladen werden müssen und Stromkabel überflüssig werden.

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