automation

Juli 15, 2021

6 Min. lesen

Die Ausweitung der Automatisierung auf die gesamte Fabrik
Die Ausweitung der Automatisierung auf die gesamte Fabrik

Was ist dran am Hype rund um Hyperautomatisierung?

Der Begriff der Hyperautomatisierung wurde vom Marktforschungsunternehmen Gartner geprägt, um einen der bedeutendsten Automatisierungstrends des Jahres 2020 zu beschreiben, der rasant in der gesamten Branche Fuß gefasst hat. Doch wie unterscheidet sich Hyperautomatisierung von „herkömmlicher“ Automatisierung, und handelt es sich dabei um eine gangbare Lösung für Hersteller, die nicht die Absicht haben, ihre gesamte Produktionsanlage oder alle ihre Montagelinien zu revolutionieren?

In seinem Bericht aus dem Jahr 2019 mit dem Titel „Move Beyond RPA to Deliver Hyperautomation“ wies Gartner darauf hin, dass es an Anleitung und Begleitung für Unternehmen mangelt, um sie bei der Integration robotergestützter Prozessautomatisierung (robotic process automation, RPA) mit anderen Tools und Instrumenten zu unterstützen. Der Bericht strich außerdem hervor, dass Geschäftsführer dem Druck ausgesetzt sind, sich auf die Automatisierung einfacher Routineverfahren zu konzentrieren, häufig jedoch über keine Strategie verfügen, um Automatisierungsprozesse auf die gesamte Produktionsanlage auszuweiten.

Laut dem weltweit tätigen Marktforschungsunternehmen heißt die Lösung in diesem Kontext Hyperautomatisierung und ist definiert als End-to-End-Automatisierung, die ergänzende Technologien wie Deep Learning, fortschrittliche Analytik, maschinelles Sehen, natürliche Sprachverarbeitung, RPA und künstliche Intelligenz miteinander kombiniert, um Geschäftsprozesse zu erweitern und zu verbessern.

Automatisierung oder Hyperautomatisierung?

Der wichtigste Unterschied zwischen traditioneller Automatisierung und Hyperautomatisierung ist, dass der Schwerpunkt bei der althergebrachten Variante tendenziell auf der Automatisierung einzelner Aufgaben liegt – beispielsweise auf dem Einsatz von Cobots anstelle menschlicher Mitarbeiter für repetitive Kommissionieranwendungen – während Hyperautomatisierung darauf abzielt, den gesamten Produktionsprozess mithilfe einer ganzheitlichen Vorgehensweise zu optimieren.

Gartner prognostizierte, dass Hyperautomatisierung ab 2020 zu den bedeutendsten strategischen Technologietrends zählen würde, doch das heißt nicht unbedingt, dass Hersteller auch tatsächlich auf diesen Hype aufspringen. Um zu verstehen, ob End-to-End-Automatisierung einen signifikanten Mehrwert für ein Unternehmen bietet, kann es nützlich sein, eine Roadmap zu erstellen, die angestrebte Geschäftsziele auflistet und ihnen die für ihre Erreichung benötigten Automatisierungstools eindeutig zuordnet.

Gartner schlägt vor, drei zentrale Faktoren zu berücksichtigen – Umsatz, Kosten und Risiken. Mit diesen Parametern im Hinterkopf können Hersteller sich darüber Gedanken machen, welche Technologien durch Verbesserung der Kundenbindung, Produktionssteigerung und Automatisierung repetitiver Aufgaben zur Umsatzsteigerung genutzt werden könnten. Danach sollten sie Prozesse neu gestalten, um Kosten aufgrund unzureichender Qualität zu senken und die Produktion insgesamt zu optimieren. Schlussendlich könnten sie auch mit ineffizienten Prozessen verbundene Compliance-Risiken in ihre Überlegungen miteinbeziehen – so kann die manuelle Beschickung von Maschinen nicht nur ineffizient sein, sondern auch Gefahren für menschliche Mitarbeiter bergen und aus diesem Grund einen Verstoß gegen Sicherheitsvorschriften darstellen.

Was tun mit Altausrüstung?

Da für Hyperautomatisierung die neuesten verfügbaren Automatisierungstechnologien benötigt werden, könnten Hersteller zu der Annahme gelangen, dass sie für Anlagen, in denen Altausrüstung für kritische Anwendungen genutzt wird, kein taugliches Geschäftsmodell sei.

Maschinen wie speicherprogrammierbare Steuerungen (SPS), die die Grundpfeiler für die Automatisierung von Produktionsanlagen darstellen, können mehrere Jahrzehnte lang einsatzfähig bleiben, und es besteht kein Grund, sie auszutauschen, wenn ihre Leistung immer noch adäquat ist und sie den Vorgaben der aktuellsten Richtlinien entsprechen. Altausrüstung verfügt jedoch üblicherweise nicht über die Kommunikationsfähigkeiten, die zur Umsetzung einer Hyperautomatisierungsstrategie erforderlich sind.

Die gute Nachricht für Werksleiter, die einen soliden Business Case für die Hyperautomatisierung erarbeiten möchten: Es gibt Möglichkeiten, ältere Ausrüstungskomponenten mit intelligenten Sensoren nachzurüsten. Auf diese Weise können die Maschinen mit dem Industriellen Internet der Dinge (Industrial Internet of Things, IIoT) verbunden werden und wertvolle Daten senden, welche zur betrieblichen Optimierung, zur Senkung von Kosten und zur Produktivitätssteigerung genutzt werden können. Ein Zulieferer für Automatisierungsbauteile, der sich auf obsolete Ausrüstung spezialisiert hat, kann Herstellern problemlos jene Hardware beschaffen, die sie benötigen, um ihre Maschinen nachzurüsten und sie bereit für Industrie 4.0 zu machen.

Weiterhin gilt es zu berücksichtigen, ob die mit dem IoT verbundene Maschinen auch alle dieselbe Sprache sprechen. Beispielsweise benötigt die Werks-SPS ein Kommunikationsprotokoll, das mit den Feldgeräten kompatibel ist. Dafür ist nicht unbedingt ein Protokoll von der gleichen Marke wie die SPS erforderlich – ProfiBus lässt sich beispielsweise mit allen SPS der Allen-Bradley-Familie vernetzen – doch manche Protokolle arbeiten nicht gut mit anderen zusammen. Für Hersteller bedeutet dies, dass sie zur Umsetzung von Hyperautomatisierung nach den besten Protokollen suchen müssen, um sicherzustellen, dass ihre gesamte Ausrüstung miteinander kommunizieren kann.

Die Entwicklung von Systemen auf Basis einer Open Source-Architektur – beispielsweise mit dem Robot Operating System (ROS) – anstelle einer proprietären Software kann, wenn sie eine Option darstellt, dabei helfen, Probleme zu minimieren und Interoperabilität sicherzustellen.

Näheres zu den neusten Automatisierungs- und Fertigungstrends finden Sie online im Wissenszentrum von EU Automation.

Ähnliche Artikel

Zurück nach oben
Zurück nach oben
Schließen
Tragen Sie sich in unsere Mailingliste einErhalten Sie regelmäßige Updates

Schließen Sie sich über 250.000 anderen an und tragen Sie sich noch heute in unsere Mailingliste ein.

Abonnieren
[{ "site.code": "de", "general.cookie_message": "Wir verwenden Cookies, um Ihnen eine bessere Nutzererfahrung zu bieten. Durch fortgesetzte Benutzung unserer Webseite stimmen Sie der Verwendung dieser Cookies zu.", "general.cookie_privacy": "Datenschutz-Hinweis ", "general.cookie_policy": "Cookie-Richtlinie", "general.cookie_dismiss": "Akzeptieren" }]