industries

Juni 02, 2020

5 Min. lesen

Implementierung umweltfreundlicher Kleinstnetze
Implementierung umweltfreundlicher Kleinstnetze

Erneuerbare Energiequellen für Energieunabhängigkeit

Immer mehr Unternehmen setzen auf kohlenstoffarme Kleinstnetze, um ihre Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu verringern und ihre Umweltbilanz zu verbessern. Ebenso wie herkömmliche Kleinstnetze unterstützen auch kohlenstoffarme Kleinstnetze Unternehmen dabei, ihren Energiebedarf zu decken, ohne dabei ausschließlich auf das nationale Stromnetz angewiesen zu sein. Doch anders als traditionelle Lösungen sind solche umweltfreundlichen Kleinstnetze beinahe emissionsfrei.

Als Kleinstnetz bezeichnet man eine lokale Gruppe von Energieressourcen und -abnehmern, die sowohl bei Anschluss an das flächendeckende Stromnetz als auch im unabhängigen Modus betrieben werden kann. Diese Fähigkeit zum Betrieb im Inselmodus ist es, was ein Kleinstnetz von anderen Formen der Stromerzeugung vor Ort unterscheidet. Sie ist auch der Grund, warum Hersteller sich gerne für Kleinstnetze entscheiden, denn sie ermöglichen die Sicherstellung einer kontinuierlichen Versorgung mit Elektrizität und beenden gleichzeitig die alleinige Abhängigkeit vom jeweiligen nationalen Stromnetz. 

Ein Kleinstnetz besteht aus einem Verknüpfungspunkt (point of common coupling, PCC), einer Energiequelle und einem be- und entladbaren Speichersystem, beispielsweise in Form von Batterien. Traditionelle Kleinstnetze nutzen fossile Brennstoffe als Energiequelle. Bei kohlenstoffarmen Kleinstnetzen kommen erneuerbare Energiequellen zum Einsatz, zum Beispiel Solarpanele oder Windturbinen, die einen erheblichen Anteil des Energiebedarfs oder sogar die gesamte benötige Energiemenge erzeugen. 

Verbesserte Zuverlässigkeit

Es gibt drei Szenarien, in denen Kleinstnetze bisher üblicherweise implementiert wurden und in denen nun kohlenstoffarme Lösungen auf dem Vormarsch sind – nicht an das Stromnetz angeschlossene Gebiete, Gebiete mit unzureichender oder unterbrechungsanfälliger Stromversorgung und Gebiete mit verlässlichen öffentlichen Stromnetzen, in denen jedoch hohe Sicherheitsanforderungen bestehen. 

Nicht an das Stromnetz angeschlossene Gebiete sind in manchen Regionen Afrikas, auf einigen kleinen Inseln und in spärlich bevölkerten Gegenden wie in Zentralaustralien immer noch häufig anzutreffen. Obwohl in solchen Regionen der Industrialisierungsgrad niedriger ist, sind sie für Sektoren wie die Rohstoffindustrie von großer Bedeutung, da sich dort reiche Vorkommen mineralischer Ressourcen befinden. In solchen Szenarien bieten kohlenstoffarme Kleinstnetze neue Möglichkeiten, den Energiebedarf der Branche zu decken und gleichzeitig die erheblichen Umweltauswirkungen des Abbaus von Bodenschätzen zu reduzieren. 

Gebiete mit unzureichenden oder unterbrechungsanfälligen Stromnetzen sind in Entwicklungsregionen wie in Lateinamerika und auf dem indischen Subkontinent immer noch häufig anzutreffen. Üblicherweise setzen Hersteller in diesen Gegenden Dieselgeneratoren als Backup-Lösung ein. Der Dieselpreis fluktuiert jedoch abhängig vom Erdölmarkt, weshalb kohlenstoffarme Kleinstnetze eine kostengünstigere und nachhaltigere Option darstellen. 

In industrialisierten Ländern werden kohlenstoffarme Kleinstnetze in Bereichen eingesetzt, in denen Sicherheit das oberste Gebot ist, beispielsweise in Krankenhäusern, Flughäfen, Datenzentren und auf Militärbasen.

Mehr Einsparungen, weniger Kohlenstoff

Trotz zuverlässiger Stromversorgung wurden in der jüngeren Vergangenheit immer mehr Produktionsanlagen mit kohlenstoffarmen Kleinstnetzen ausgestattet, um Energiekosten zu senken und Umweltauswirkungen zu verringern. 

Der wichtigste Vorteil der Implementierung von solar- oder windgetriebenen Kleinstnetzen liegt im ökonomischen Gewinn, da die Kosten für erneuerbare Energien und moderne Speicherlösungen ständig sinken. Laut einem kürzlich erschienenen Bericht des World Business Council for Sustainable Development (WBCSD) sanken die Gesamtkosten für Solarpanele zwischen 2009 und 2015 um mehr als 60 Prozent, und die Kosten von Lithium-Ionen-Batterien fielen zwischen 2013 und 2016 um mehr als 50 Prozent. 

Erwartungen zufolge sollen die Kosten für Solarenergie noch weiter fallen, was hingegen für den Dieselpreis nicht anzunehmen ist. Darüber hinaus können Unternehmen einen Stromabnahmevertrag (Power Purchase Agreement, PPA) mit einem externen Anbieter für erneuerbarer Energie abschließen, was ihnen Zugang zu niedrigen Energiepreisen über lange Zeiträume verschafft. Die Kosten für Diesel hängen im Gegensatz dazu immer von den fluktuierenden Erdölpreisen ab. 

Kohlenstoffarme Kleinstnetze stellen außerdem einen effizienten Weg dar, wie Unternehmen ihre CO2-Bilanz verbessern und damit ihre umweltbezogenen Steuern senken können. In Weltgegenden, in denen CO2-Emissionen besteuert werden, beispielsweise im Rahmen des EU-Emissionshandels oder des UK Carbon Price Floor, kann der Umstieg auf ein kohlenstoffarmes Kleinstnetz die Compliance-Kosten von Anlagen dramatisch senken. Außerdem kann die Verringerung von Emissionen die Bewertung der sozialen Unternehmensverantwortung (Corporate Social Responsibility, CSR) und damit das Markenimage verbessern. 

Kohlenstoffarme Kleinstnetze sind eine intelligente Lösung, um energieunabhängig zu werden, Energiekosten zu senken und die Auswirkungen des Fertigungssektors auf fragile Ökosysteme zu verringern.

Ähnliche Artikel

[{ "site.code": "de", "general.cookie_message": "Diese Website benutzt Cookies, um sicherzustellen, dass Sie die beste Erfahrung auf unserer Website.", "general.cookie_learnmore": "Mehr Informationen", "general.cookie_dismiss": "Ich habs!" }]